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Martin Schmidt, Journalist

Ländercheck

Von Rhodesien nach Simbabwe:
Hintergründe eines beispiellosen Abstiegs – Teil 2

Pleitestaat trotz Perspektiven

Die Ansetzung freier Wahlen war Robert Mugabes historische Chance: Völlig überraschend, vor allem aus Sicht Londons, ging aus diesen statt des liberaleren Favoriten Joshua Nkomo die militante ZANU-Partei als Sieger hervor. Der Jesuitenschüler Robert Gabriel Mugabe (* 21. Februar 1924 in Masvingo) gehört dem größten Stamm der Shona an. Im Jahre 1960 war er nach seinem Studium an verschiedenen ausländischen Hochschulen als überzeugter Kommunist heimgekehrt. Smith nannte ihn immer wieder einen "marxistischen Terroristen". In Rhodesien angekommen, begann Mugabe sogleich mit dem Kampf gegen die englischen Kolonialherren. Zunächst tat er das im Rahmen der National Democratic Party (NDP); später gründete er die rivalisierende Zimbabwe African National Union (ZANU) und führte deren extremistischen Flügel African National Liberation Army (ZANLA). Dies brachte ihm 1964 eine elfjährige Haftstrafe ein. Nach seiner Entlassung setzte Mugabe die Feldzüge gegen die weiße Minderheitsregierung von Mosambik aus fort. Bezeichnenderweise befahl er seinen Gefolgsleuten während dieses Buschkrieges, keine Schuhe und Socken mehr zu tragen, um so ihren Willen zur totalen Abkehr von der westlichen Zivilisation zu demonstrieren. (4)

Doch der noch wenig bekannte neue starke Mann hielt sich nach seiner Amtsübernahme 1980 zunächst mit harten Maßnahmen gegen den weißen Bevölkerungsanteil zurück. Auf internationaler Bühne gab es dafür eine Menge Zustimmung und eine stattliche Zahl an Auszeichnungen (siehe den Wikipedia-Eintrag zu Mugabe). In Deutschland war dem "Befreier" der Beifall seitens der etablierten Politik (5) ebenso sicher wie jener der zahlreichen linksradikalen Gruppierungen, die sich dem "antikolonialistischen Kampf" gegen die Apartheidsregime in Rhodesien und Südafrika verschrieben hatten. Die Rolle von Organisationen und Parteien wie dem Kommunistischen Bund Westdeutschland / KBW (6), der Deutschen Kommunistischen Partei / DKP oder auch den Grünen für die öffentliche Wahrnehmung der Konflikte im Süden Afrikas war zweifellos relevant und harrt noch ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung.

Auch die Ökonomie Simbabwes funktionierte in den Achtzigern im Großen und Ganzen noch gut, selbst wenn man wohl hinter manche von den Machthabern in Harare verkündeten und sich bis heute in den Wikipedia-Einträgen haltenden damaligen Erfolgsmeldungen Fragezeichen setzen muss. Erste brutale Unterdrückungsmaßnahmen gegen rivalisierende schwarze Stammesgruppen gab es allerdings schon zu dieser Zeit. So soll die berüchtigte 5. Brigade der Regimetruppen schätzungsweise 20.000 Angehörige des Volkes der Ndebele getötet haben, die Mugabes erklärten Gegner Joshua Nkomo unterstützt hatten. (7)

Nach seiner ersten Wiederwahl 1985 ließ sich Robert Mugabe von seiner Entourage zum direkten Nachfahren der Könige von "Groß-Simbabwe" erklären. 1987 wurde er zum Präsidenten auf Lebenszeit und schaffte das Amt des Premierministers ab. Danach brauchte er keine Wahlen mehr zu fürchten und wurde unter Einsatz der hierfür bereitstehenden totalitären Instrumente (einseitige Propaganda, massive Einschüchterung Oppositioneller und Verfolgung Andersdenkender, mutmaßliche Wahlfälschungen) regelmäßig mit satten Mehrheiten "wiedergewählt". Und das bis heute. Im Juni 2005 veranlasste Mugabe im Rahmen der Operation Murambatsvina, gezielt Siedlungen mit Planierraupen zu zerstören, in denen überwiegend für die Opposition gestimmt worden war. Die immer wieder aufflackernden innnenpolitischen Auseinandersetzungen forderten Hunderte Todesopfer. Allein 2002 gab es nach Angaben von Amnesty International 70.000 registrierte Fälle von Misshandlungen und Folter. (8)

Zu Beginn der neunziger Jahre begann dann die folgenschwere Umsetzung der Bodenreformpläne und nahm bis Ende des Jahrzehnts zusehends extremere Formen an. In der Theorie existierte zunächst das Konzept des "freiwilligen Verkaufs", mit dem schwarze Bewohner für das den weißen Siedlern angelastete Unrecht des Landraubs entschädigt werden sollten. Mugabe selbst sagte dazu: "If white settlers just took the land from us without paying for it, we can, in a similar way, just take it from them without paying for it." (9)

Doch nicht die eher geeigneten schwarzen Landarbeiter der weißen Alteigentümer bekamen letztlich den Großteil der Flächen übereignet, sondern Angehörige von Mugabes Sippe, frühere Genossen aus der kommunistischen Kampfzeit oder andere Parteigänger des Diktators, die in der Regel keinerlei landwirtschaftliche Vorbildung aufwiesen. Im Jahr 2000 besaßen rund 4000 Großfarmer, davon annähernd zwei Drittel Profiteure der Landreform, ungefähr 70 Prozent des zu bewirtschaftenden Landes. Statt der vielbeschworenen Umverteilung zugunsten zahlreicher armer schwarzer Landloser kam es also zu einer Bereicherung weniger schwarzer Privilegierter. Manche Minister der Mugabe-Regierung rissen sich gleich mehrere der zu Statussymbolen degradierten, bis dato blühenden Farmen unter den Nagel. (10)

Manche Anbauflächen wurden mutwillig zerstört. Vielfach kam es bei der Übergabe an insgesamt etwa 200.000 Neueigentümer zu Gewaltakten; weiße Tabakbauern wurden in größerer Zahl umgebracht. Sehr viele weiße Farmer, die in den Augen der neuen Machthaber der personifizierte Inbegriff des verhassten Kolonialerbes waren, flüchteten außer Landes. Zunächst zog es sie schwerpunktmäßig nach Südafrika, später vor allem nach Australien.

Ethnische Säuberungen, Korruption und eine irrwitzige Planwirtschaft zerstörten die einstige Kornkammer des südlichen Afrikas

Damals kam es zu ersten westlichen Sanktionsmaßnahmen gegen das rote Regime in Simbabwe. Doch nicht diese, sondern die katastrophale Misswirtschaft bewirkte einen Zusammenbruch des Agrarsektors, da es den Neueigentümern an Erfahrung, dem nötigen Geld oder auch nur an Motivation mangelte. Binnen weniger Jahre fehlten Millionen Tonnen an Getreide, die Produktion des Hauptexportartikels Tabak ging um 75 Prozent zurück. Große Flächen liegen seitdem brach. Hungersnöte konnten nur dank umfangreicher Entwicklungshilfelieferungen verhindert werden. Das letzte Kapitel der ethnischen Säuberung an den englischen Siedlern wurde 2007 geschrieben, als nochmals rund 400 übriggebliebene weiße Farmer von der Regierung unter massiven Drohungen vertrieben wurden. (11)

Haarsträubende planwirtschaftliche Maßnahmen waren an der Tagesordnung. So setzte der Diktator die Preise für das "Grundnahrungsmittel" Brot zeitweilig auf die Hälfte ihres Herstellungspreises fest und ließ Verstöße streng bestrafen. Die Bäcker stellten daraufhin ihre Brotproduktion ein – bis jemand bemerkte, dass die Preisvorschriften nicht für als "Luxusware" geltende Brote mit Sesam galten. Daraufhin wurden die alten Standardbrote wieder ins Sortiment aufgenommen, allerdings fortan mit einigen Körnchen Sesam bestreut. (12)

Die Not des Landes veranlasste auch zahlreiche schwarze Bürger zur Auswanderung. Staaten wie Sambia, Nigeria und Mosambik machten Bauern und Facharbeitern aus dem Reich Mugabes gezielte Niederlassungsangebote. Doch der Hauptstrom des Exodus ging in das Nachbarland Südafrika, wo 2007 Schätzungen zufolge allein drei Millionen Menschen aus Simbabwe lebten.

Dabei war die Ausgangslage des Landes - zumindest wirtschaftlich gesehen - alles andere als schlecht. Das vormalige Rhodesien nennt nicht nur einzigartige landschaftliche Schönheiten wie die Victoriafälle sein eigen, sondern es besitzt unter anderem Diamanten, Gold und Platin, produziert(e) reichlich Tabak und galt einst – man glaubt es heute kaum noch – mit seinen fruchtbaren Böden und hohen Erträgen als Kornkammer des südlichen Afrikas. Auch Mais und Soja wurden großflächig angebaut, darüber hinaus Baumwolle, Erdnüsse und Jute. Ebenso konnte sich die Infrastruktur im Vergleich sehen lassen, und die 275.000 weißen Siedler – insbesondere die mehreren tausend Großfarmer – verkörperten den Anschluss an moderne Wirtschaftsmethoden.

Noch im Jahre 1998 war die Volkswirtschaft Simbabwes die am schnellsten wachsende ganz Afrikas. (13) Danach begann ein rasanter Abstieg. Nicht nur die Landwirtschaft, auch der Bergbau kollabierte. Die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes machte 2008 nur noch gut die Hälfte von 1999 aus, ermittelte die Weltbank. Doch damit war der Absturz längst nicht beendet. Es kam zu einer katastrophalen Inflation, in deren Verlauf sich die Preise mehrmals am Tag verdoppelten und man zum Einkaufen buchstäblich schubkarrenweise Geld benötigte. Selbst Scheine über 100 Milliarden Simbabwe-Dollars wurden praktisch wertlos. Lag die Inflationsrate im Durchschnitt der Jahre 1970-78 noch bei 7,6 Prozent, so waren es im Januar 2005 bereits 133,6 Prozent. Und verfügte das alte Rhodesien über satte Währungsreserven von 296 Millionen US-Dollar (1980), waren es 2002 nur noch 106 Millionen US-Dollar, Tendenz fallend. Die Arbeitslosigkeit näherte sich im Jahr 2015 der Marke von 80 Prozent. (14)

Auch andere statistischen Kerndaten offenbaren den totalen Niedergang: Während sich die Einwohnerzahl von 7,3 Millionen (1980) auf ungefähr 14 Millionen (2015) innerhalb von dreieinhalb Jahrzehnten fast verdoppelte, verdoppelte sich wegen der grassierenden Armut und der immer schlechteren medizinischen Rahmenbedingungen auch die Sterberate, nämlich von 14,4, je 1000 Einwohner (1970-1975) auf 27 je 1000 Einwohner (2000-2005). Die Lebenserwartung fiel bei Frauen auf durchschnittliche 33 Jahre bzw. bei Männern 34 Jahre (2000-2005) gegenüber 53 Jahre bei Frauen und 50 Jahren bei Männern in der späten Rhodesien-Zeit (1970-1975). Zuwachs gab es dagegen bei den HIV-positiv getesteten Personen, deren Anteil unter den 15-jährigen Einwohnern im Jahr 2003 bei 43 Prozent lag und bei den 15- bis 40-Jährigen bei 34 Prozent. (15)

Heute, nachdem Robert Mugabe über 35 Jahren ununterbrochen an der Macht ist, steht fest: der über 90-jährige autokratische Herrscher wird ein desaströses Erbe hinterlassen, wenn sein von zahlreichen Menschen innerhalb wie außerhalb der Landes sehnsüchtig erwarteter Tod eintritt. Denn Mugabe steht für chronische Misswirtschaft, Korruption und Gewalt. Simbabwe zählt mittlerweile zu den weltweit ärmsten Volkswirtschaften. Der persönliche Lebensstil des Diktators und seines Umfelds gilt als verschwenderisch. So soll an Mugabes 86. Geburtstag über eine halbe Million US-Dollar für Champagner und Kaviar ausgegeben worden sein.(16) Im Dezember 2010 wurde durch von Wikileaks veröffentlichte US-Diplomaten-Korrespondenzen ruchbar, dass Mugabe, seine Frau Grace und hohe Regierungsmitarbeiter sich in großem Stil am Diamantenhandel aus den Minen im ostsimbabweschen Chiadzwa bereicherten. (17)

Bezeichnenderweise sah sich der Diktator 2009 angesichts der desaströsen Inflationsraten dazu genötigt, vorübergehend den US-Dollar als Ersatzwährung zum maroden Simbabwe-Dollar einzuführen. Die Inflation erreichte damals astronomische Werte von bis zu 231.150.888,87 Prozent. Im Zuge des allgemeinen Preisniedergangs im Rohstoffbereich fielen zuletzt auch die Einnahmen aus den für Simbabwe überaus wichtigen Gold- und Platinminen ins Bodenlose. 2015 kam dann noch eine schlimme Dürre hinzu, so dass zum Beispiel eines der wichtigsten Kraftwerke, der Staudamm am Kariba-See, bloß noch einen Bruchteil der geplanten Leistung erbringen konnte. Strom ist längst ebenso zu einem knappen, oft nur stundenweise verfügbaren Gut geworden wie das überlebenswichtige Wasser.

Doch all diese Tatsachen an sich wären für afrikanische Verhältnisse ja nicht gänzlich ungewöhnlich, ebenso die von Harare ausgehende Brutalität gegenüber eigenen Staatsbürgern. Vielmehr führten andere Begleiterscheinungen der Diktatur Mugabes zu dessen nachhaltiger Diskreditierung insbesondere in den USA und bei der EU. So verglich sich der Diktator selbst mehrfach öffentlich mit Adolf Hitler und zeigte sich im September 2005 sogar mit entsprechendem Bärtchen unter der Nase. Ab 1991 bezeichnete er Homosexuelle im Zuge von Kampagnen als "unafrikanisch" und drohte ihnen mit Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren. (18) Sein umgekehrter Rassismus nahm bizarre Formen an. Nicht nur waren die weißen Großfarmer und ihre Familien den geschilderten Verfolgungen und Vertreibungen ausgesetzt, auch von Weißen geführte Unternehmen wurden pauschal diskriminiert. Noch 2012 forderte der Diktator, dass Firmen nur Schwarzen gehören sollten. (19)

Außenpolitisch setze Mugabe lange Zeit ganz auf die Volksrepublik China. Diese verfolgt in Afrika bekanntlich ihre eigene, vor allem an den reichen Rohstoffvorräten des Schwarzen Kontinents interessierte Langzeitstrategie. Dafür war Simbabwe ein höchst verlockendes Ziel und die geschwundenen Zugriffsmöglichkeiten Europas und der USA gerade auf dieses Land könnten sich, sollten sie sich auch nach der Ära Mugabe fortsetzen, als schwere strategische Hypothek erweisen.

Doch Peking vermochte Harare nicht wirklich zu helfen, so dass Robert Mugabe in jüngster Zeit Annäherungsbereitschaft in Richtung USA, Großbritannien, EU, IWF und Weltbank signalisierte. Bei all diesen Mächten besteht angesichts der schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen allerdings noch immer eine Art Ächtung Simbabwes: Im Dezember 2003 wurde das Land aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen, und Ende 2008 forderten sämtliche EU-Mitgliedsländer den Rücktritt Mugabes. Robert Mugabe selbst bekommt seither keine Einreiseerlaubnis in die Europäische Union (mit Ausnahme von Besuchen von Veranstaltungen der Vereinten Nationen und des Vatikans). Andererseits gibt es allen Verbrechen des Diktators zum Trotz eine vom Nachbarn Südafrika angeführte Phalanx afrikanischer Regierungen, die Mugabe unterstützt bzw. ihn zumindest diplomatisch nicht fallenlässt. Im vergangenen Jahr wurde er sogar zum Präsidenten der Afrikanischen Union gewählt.

Der absehbare Tod Mugabes muss der Beginn einer ehrlichen historischen Aufarbeitung jenseits der Stereotypen des Entkolonialisierungszeitalters sein

Robert Mugabe ist derzeit wohl das weltweit älteste Staatsoberhaupt. Auch wenn er nicht, wie Gerüchte besagen, schwer erkrankt ist, dürfte sein Tod nur eine Frage weniger Jahre sein. An diesem Tag X wird es dann höchste Zeit, das Drama Rhodesiens/Simbabwes jenseits der Stereotypen des Entkolonialisierungszeitalters aufzuarbeiten. Denn für die Geschichtsbücher kann nicht allein die rassisch motvierte Ausschließung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit in der rhodesischen Apartheidsära Smith die Darstellung bestimmen. Ebenso muss nach den Gründen für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang Zimbabwes unter dem schwarzen Diktator Mugabe gefragt werden.

Dabei drängen sich zentrale Fragen auf: In welchem Ausmaß blieb der Diktator zeitlebens von seinen frühen kommunistischen Prägungen beeinflusst? Trägt der Despot aus dem Stamme der Shona höchstpersönlich die Hauptverantwortung für den beispiellosen Abstieg oder muss die Antwort vielschichtiger ausfallen? Muss man - aus einer spezifisch westlichen Sicht - das Fehlen demokratischer Strukturen betonen, oder gilt es eher, über den Fall Simbabwes hinausgehende allgemeine afrikanische Entwicklungsdefizite zu untersuchen, Mugabes Sippen-und Stammesloyalitäten in den Blick zu nehmen oder nach den tieferen Ursachen eines im gesamten südlichen Afrika zu beobachtenden schwarzen Rassismus gegen weiße Bevölkerungsgruppen zu fragen? Auch die Naivität und lange Zeit feststellbare Blindheit europäischer und nordamerikanischer Regierungen gegenüber den Menschenrechtsverletzungen der Post-Apartheidsära in Simbabwe, aber auch in der Republik Südafrika, sollten Thema sein.

Den schwarzen Einwohnern Rhodesiens ging es zur Zeit der weißen Minderheitsregierung zumindest materiell eindeutig besser als danach und sicherlich besser als den damaligen Bevölkerungen anderer afrikanischer Staaten. Das festzustellen, ist keine Rechtfertigung des Apartheidssystems, sondern das Ergebnis unvoreingenommener Analysen.

Auch heikle Fragestellungen dürfen nicht tabu sein, etwa jene, ob wirklich etwas dran ist am Standardvorwurf, weiße Siedler hätten der einheimischen Bevölkerung die besten Böden geraubt und deshalb in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so reiche Erträge erwirtschaftet. Waren es nicht vielmehr die europäischen Anbaumethoden, die den weißen Farmern ihren Erfolg gegenüber den indigenen Gepflogenheiten beim Feldbau ermöglichten und die Bodenqualität optímierten? Und wären die interethnischen Konflikte zwischen den schwarzen Stämmen auch in Rhodesien/Simbabwe nicht viel früher blutig eskaliert, hätte es nicht das Zwischenspiel der weißen Regierung Smith gegeben? Schließlich wird das Bild des post-kolonialen Afrikas mit seinen künstlichen Grenzziehungen bis auf den heutigen Tag von Machtkämpfen rivalisierender Stämme geprägt, die nicht selten von einem brutalen Willen zu gegenseitiger Vernichtung zeugen.

  1. Samantha Power, How to kill a country, The Atlantic, Dezember 2003
  2. für Richard von Weizsäcker war er ein "kluger, besonnener Politiker, der um Ausgleich bemüht ist" (Bartholomäus Grill, Oberhäuptling Comrade Bob, Die Zeit 18/2000)
  3. siehe zum Beispiel Reiner Luyken, Der ruinierte Traum, ZEIT online, 14.06.2007
  4. Andrea Jeska, Simbabwe, Welt Online, 08.03.2011
  5. Power, a. a. O.
  6. ebd.
  7. ebd.
  8. Junge Freiheit online, Sonderthema Simbabwe, 16.03.2007
  9. Power, a. a. O.
  10. Robert Mugabe. Simbabwe wartet auf den Tod des Machthabers, Handelsblatt, 07.10.2015
  11. Power, a. a. O.
  12. Encyclopedia of the Third World, CIA World Factbook, Munzinger Archiv
  13. Mugabe celebrates birthday amid distress, Mail & Guardian, 27.02.2010
  14. Illegaler Diamantenhandel in Zimbabwe, Financial Times Deutschland, 09.12.2010
  15. Junge Freiheit online, Sonderthema Simbabwe, 16.03.2007
  16. Mugabes Simbabwe: Firmen sollen zu 100 Prozent Schwarzen gehören, Die Welt, 07.12.2012

15. Februar 2016