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Gute Belohnung schafft gute Motivation – stimmt die Gleichung?

Laborratten bekommen Leckerbissen, gute Schüler bekommen Einsen, und Arbeitnehmer Gehaltserhöhungen. Eine scheinbare Gewissheit. Und nicht nur ein gewerkschaftliches Dogma. „Belohnungen führen zu besseren Leistungen“, so glauben wir und so handeln wir oft genug.

Alle Forschungsergebnisse der letzten Jahre deuten jedoch darauf hin, dass dieses Gesetz nicht annähernd so festgefügt ist, wie man zu glauben geneigt ist. Man darf heute im Gegenteil von folgendem ausgehen: Belohnungen verringern die Leistungsbereitschaft, ganz besonders und vor allem, wenn die geforderte Leistung einen großen Anteil an Kreativität erfordert.

Viele Studien haben inzwischen nachgewiesen, dass unser Interesse an einer Aufgabe typischerweise nachlässt, wenn wir für die Erledigung belohnt werden.

Wenn eine Belohnung - Geld, Preise oder der Sieg in einem Wettbewerb - als der Grund gesehen wird, etwas zu tun, so wird die Tätigkeit als weniger angenehm aus sich selbst heraus empfunden. Mit Ausnahme einiger Behavioristen, die jegliche Existenz einer intrinsischen Motivation abstreiten, sind diese Folgerungen in psychologischen Fachkreisen inzwischen weithin akzeptiert. Die Beobachtung, dass Belohnungen kontraproduktive Effekte haben können, basiert auf unzähligen Studien, die Ergebnisse wie die folgenden gebracht haben: Kleinkinder, die für das Malen belohnt werden, werden weniger wahrscheinlich selbst malen als Kinder, die "nur zum Spaß" malen. Jugendliche, denen Belohnungen für Wortspiele angeboten werden, haben weniger Spaß an der kreativen Umsetzung und erreichen weniger als andere, die ohne Belohnungsanreiz spielen.

Ein großer Teil der Forschung über Kreativität und Motivation wurde von Theresa Amabile, Professor der Psychologie an der Brandeis University, durchgeführt. Schon in einem Forschungsbericht von Anfang 1986 über ihre Studien berichtete sie über Experimente mit Grundschülern und College-Studenten. Beide Gruppen wurden gebeten, "sinnlose" Collagen anzufertigen. Die Jüngeren sollten außerdem Geschichten erfinden. Die am wenigsten kreativen Arbeiten wurden von Schülern angefertigt, die wegen einer Belohnung am Experiment teilnahmen. „Es mag sein, dass vertragsgebundene Arbeit allgemein weniger kreativ ausfällt als Arbeit, die aus purem Interesse getan wird" gab Frau Amabile zu bedenken.

In einer anderen Studie unterrichteten Mädchen aus der 5. und 6. Klasse jüngere Kinder weit weniger effektiv, wenn ihnen für gute Arbeit Kino-Freikarten versprochen wurden. Die Studie, durchgeführt von James Cabarino (Präsident des Erikson Institute for Advanced Studies in Child Development, Chicago), zeigte, dass für eine Belohnung arbeitende Tutoren länger brauchten, um Ideen zu vermitteln, leichter frustriert wurden und insgesamt weniger bewirkten als diejenigen, die ohne Belohnungsaussicht arbeiteten.
Solche Ergebnisse stellen den weitverbreiteten Glauben in Frage, dass Geld ein effektives und sogar notwendiges Mittel ist, Leute zu motivieren. Sie fordern außerdem die behavioristische Ansicht heraus, dass irgendeine Aktivität wahrscheinlicher stattfindet, wenn sie belohnt wird. Frau Amabile sagt, dass ihre Forschung "definitiv die Behauptung widerlegt, dass Kreativität wirksam konditioniert werden kann."

Allerdings ist es allgemein anerkannt, dass nicht alle Belohnungen denselben Effekt haben. Eine für alle Teilnehmer gleiche Entlohnung für ein Experiment - ähnlich einem Stundenlohn - reduziert die intrinsische Motivation üblicherweise nicht. Nur wenn die Belohnung für die Ausführung einer bestimmten Aufgabe oder die Qualität analog zu Akkordlohn oder Bonus-Systemen ausfällt, entwickelt sich das Problem.

Der Schlüssel liegt daher darin, wie eine Belohnung erfahren wird. Wenn wir dazu gebracht werden, unsere Arbeit als Mittel zum Zweck zu sehen, wird diese Tätigkeit von uns nicht mehr als aus sich selbst heraus befriedigend wahrgenommen.

Es gibt einen alten Witz, der das Prinzip wunderschön verdeutlicht. Ein älterer Mann, genervt von den Anpöbelungen der Nachbarskinder, entwickelte einen Plan. Er bot jedem Kind eine Mark an, wenn sie alle am Dienstag wiederkämen und ihre Beschimpfungen wiederholten. Sie taten dies und bekamen ihr Geld, aber er teilte ihnen mit, dass er am Mittwoch nur 20 Pfennig bezahlen könne. Als sie wiederkamen, ihn wieder beschimpften und ihr Geld kassierten, informierte er sie, dass die Rate für Donnerstag nur einen Pfennig betragen würde. "Vergessen Sie's"; sagten sie - und ließen ihn fortan in Ruhe.

Selbstverständlich haben die Prinzipien von Lob, Anerkennung und Wertschätzung – mündlich erteilt oder in Form eines Sach- oder Geldwertes – eine unverminderte Bedeutung. Die kurzen Ausführungen mögen Anregung sein, „scheinbare Gewissheiten“ häufiger auf den Prüfstand zu stellen. Ganz besonders bei der Beurteilung und Bewertung einer „Firmenkultur“ - eines ebenso fragilen wie komplexen Gebildes.

Als Mitglied des Deutscher Arbeitgeber Verband haben Sie die Möglichkeit, sich zu all diesen Themen im Vorfeld geplanter Maßnahmen mit den Experten des Verbandes auszutauschen oder von den Erfahrungen anderer Mitglieder zu profitieren.