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Grundgedanken zur Vermögensnachfolge

Stirbt ein Vermögensinhaber, geht nur im krassen Ausnahmefall dessen Vermögen auf den Staat über. Vorrangig erhalten es diejenigen, die sich der Vermögensinhaber zuvor noch selbst – unter Beachtung gewisser Formen – ausgesucht hat. Anderenfalls wird es nach einem gesetzlichen Schlüssel auf die Familienmitglieder verteilt.

Wer will, kann sein Vermögen auch zu Lebzeiten an Dritte verschenken. Was sich merkwürdig ausnimmt, geschieht gar nicht so selten. In den wenigsten Fällen verbirgt sich dahinter allerdings echte Großzügigkeit: Mal soll ein Vermögen vor Regressansprüchen des Staates, etwa wegen hoher Pflegekosten, in Sicherheit gebracht werden. Mal sollen Familienmitglieder zu besonderer Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft angehalten, mal ein Unternehmen auf die nächste Generation zu Fortführungszwecken übertragen werden. Mitunter geht es auch einfach nur darum, Steuern zu sparen; denn auch ein großes Vermögen ist tatsächlich nur ein mittleres, wenn davon ein kleines Vermögen für Steuern abgeht.

Aber ganz gleich ob Schenkung oder Erbschaft – stets ist größte Vorsicht und Voraussicht geboten: Wer der Nachwelt ein Lebenswerk oder ein Vermögen von relevanter Größe hinterlässt, sollte regelmäßig damit rechnen, dass seine Nachfolger es bei nächstbester Gelegenheit versilbern oder es aufgrund von Unfähigkeit zerstören. Oder wer zu Lebzeiten Familienmitgliedern zweckgebunden ein Vermögen überträgt, kann erleben, dass diese von der Zweckbindung später einfach nichts mehr wissen wollen; Treue und  Verbundenheit wie auch das gesprochene Wort sind flüchtig, das ist im Freundes- und Familienkreis nicht anders. 

Die möglichen Fallstricke sind zahlreich, weshalb nur dazu angeraten werden kann, jede beabsichtigte lebzeitige Zuwendung, jedes Testament oder jede sonstige Verfügung von Todes wegen von Wert rechtzeitig mit auf die Vermögensnachfolge spezialisierten Rechtsanwälten vorzubereiten. Diese handeln vorausschauend, erkennen aufkommende Gefahren und Probleme und erstellen rechtsgeschäftliche Vereinbarungen oder Konstruktionen so, dass die mit einer Vermögensübertragung verfolgten Ziele am Ende auch wirklich erreicht werden.

Gerade Familienunternehmer tun übrigens gut daran, etwaige Nachfolgerisiken weit über das Juristische hinaus identifizieren zu lassen. Etwa ist der langfristige Erfolg von Familienunternehmen streng damit verknüpft, dass von Generation zu Generation jeweils gut ausgebildete Unternehmerpersönlichkeiten für die Nachfolge bereitstehen. Gefahr droht, wenn ein Elternteil die Eignung des Nachfolgers völlig falsch einschätzt, was umso wahrscheinlicher ist, je prägender und leitender der Wunsch ist, das eigene Kind als Nachfolger im Unternehmen zu sehen.

Bei zwei oder mehr Abkömmlingen besteht zusätzliches Gefahrenpotential allein wegen der unter Eltern weit verbreiteten Neigung, alle Abkömmlinge gleich zu behandeln bzw. keinen dieser Abkömmlinge  gegenüber den anderen bevorzugen zu wollen. Nach Ansicht von Experten ist diese Haltung – so ehrbar sie auch sein mag – aus unternehmerischer Sicht eher unklug, weil die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sich gleich zwei oder mehr Geschwister gleichzeitig zum Unternehmer eignen, eher als gering einzustufen ist. Gerade die weniger geeigneten Geschwister werden in dieser Situation ihr Recht, auf unternehmerische Entscheidungen einzuwirken, meist weniger den Unternehmenszielen unterordnen, denn ihre ganz eigenen Interessen gegenüber den Geschwistern durchzusetzen wissen.

Fachleute empfehlen Eltern deshalb, an den Anfang jeder Nachfolgeplanung die Anberaumung und Durchführung einer sog. Familienkonferenz zu stellen. In einem solchen – professionell moderierten – Gesprächsrahmen lassen sich das Selbstverständnis und eigene Ziele der Kinder einmal ganz grundlegend ausloten und die Verhältnisse zwischen den Familienmitgliedern auf schwelende Konflikte hin analysieren. Etwa kann auch geklärt werden, welche von mehreren Personen sich überhaupt zur Führungsfigur eignet, dahin strebt und in diesem Bestreben auch von anderen unterstützt oder zumindest akzeptiert wird. Von diesen und anderen Erkenntnissen ausgehend lässt sich die Nachfolge grundlegend besser strukturieren und ein passendes Rechtskonstrukt ersinnen, über das sich die meist divergierenden Interessen aller Beteiligten noch "unter einen Hut" bringen lassen.

Möglich ist aber auch, dass am Ende einer Familienkonferenz steht, dass sich unter keinem denkbaren Ansatz die unterschiedlichen Interessen sinnvoll übereinbringen lassen. In diesem Fall dient es dem Familienfrieden, aber auch  der  Vermögenssicherung eher, wenn ein Unternehmen verkauft statt von der eigenen Familie fortgeführt wird.

Weitere Teile der Serie finden Sie hier:
Vermögensnachfolge – der  Familienpool
Vermögensnachfolge – die  Familienstiftung