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Lukas Walangitang. Vorstand DAV

Das hat Seriosität mit Geld zu tun

Wir leben in einer der besten Zeiten, was die Möglichkeiten der persönlichen und unternehmerischen Entfaltung angeht – und in einer der schwierigsten, was das Risiko, die Seriosität zu verlieren, betrifft. Mittlerweile ist es Teil der täglichen Berichterstattung, dass wahre Nachrichten als "Fake News" entkräftet werden und unwahre dazu dienen, dem Ansehen von Unternehmern und Politikern zu schaden. Laut neuester Nachrichten missbrauchen Kleinkinder Smartphones, um auf dem Wege des "Cyber Mobbing" anderen Kleinkindern im Kindergarten zu schaden. Dies hat den Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. dazu bewegt, ausgewählte Themen der Unternehmerpraxis vorzutragen.

Deutschland ist weltweit für duales Bildungssystem, solides Handwerk, hochqualitative Technik, gewissenhafte Kaufleute und vorsichtige Finanzierung berühmt. Unternehmer aller Branchen sind heute darin versiert, ihre Seriosität durch ein entsprechendes Außenbild vor allem in der Korrespondenz oder Ihrer Erscheinung zu untermauern.

Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. hält es für ebenso wichtig, dass Unternehmer ihre Finanzen auf solide Weise kommunizieren. Dabei geht es uns weniger um die jährliche Rechnungslegung, die ja schon durch handels- und steuerrechtliche Regeln Gestaltung erfährt. Wir beziehen uns auf die eher informelle Berichterstattung an Banken, Gesellschafter und Förderstellen durch den sogenannten "Business-Plan".

Wir erleben es, dass viele Unternehmer ihre Erträge und Aufwendungen mehr oder weniger grob planen, und zwar so, dass diese Planung mit dem letzten Jahresabschluss vergleichbar erscheint. Die Entwicklung der Zahlungsmittel wird vage vorausgeahnt, um einzuschätzen, ob das Dispolimit ausreicht. Und schließlich werden Investitionen in den Raum gestellt, um Darlehensanträge bei der Hausbank zu stellen.

Dies führt zu kaum vergleichbaren Rechenwerken und nicht zu einer seriösen Unternehmensplanung. Im Verlaufe des Geschäftsjahres sorgen Ertragseinbrüche und überraschende Kosten für Erklärungsnöte auf Gesellschafterebene. Daneben misslingt das Aushandeln günstigerer Zahlungskonditionen mit Kunden und Lieferanten. Kredite werden unnötig teuer (oder unerhältlich), da Banken das Risiko auf dieser Grundlage nicht wirklich einschätzen können (siehe unsere Beiträge über Basel III). Und Anträge auf Fördermittel laufen ins Leere, da Förderstellen nicht nachvollziehen können, inwieweit ihre Mittel den Förderzweck unterstützen.

Die betroffenen Unternehmer betrachten diese nicht ineinander verzahnten Rechenwerke, in die sie viel Zeit und Mühen investiert haben, oft als reine Theorie und setzen ihr Finanzwesen nach alter Übung und Bauchgefühl fort. Ihnen fehlt nun der "freie Rücken", um das Unternehmen auf die nächste Ebene seiner Evolution zu heben.

Nur eine ineinander verzahnte Investitions-, Finanzierungs-, Ertrags-, Kosten- und Liquiditätsplanung kann dafür sorgen, dass Unternehmer einen unumstößlich seriösen Stand im Gesellschafterkreis sowie vor Banken und Förderstellen haben. Die Hausbank wird dies mit einer Verbesserung im Rating belohnen und Unternehmer werden eine Unternehmensplanung in der Hand halten, die sie in Ihrer Praxis unterstützt und zugleich Ihren Kopf für Zukunftsideen frei hält.

Neben der finanziellen Steuerung und Darstellung spielt auch die Rechtsform des eigenen Unternehmens eine Rolle. Wer hat nicht schon morgens vor dem Spiegel gestanden und den Namen seines Unternehmens in den verschiedensten Rechtsformen ausgesprochen? Was wirkt seröser – XY GbR, UG, Ltd., oHG, GmbH, KG, AG? Welche Rechtsform gibt die Substanz Ihres Unternehmens angemessen wieder und entspricht der Solidität oder der Modernität des eigenen Unternehmens? Unterstützt es Ihren Erfolg eher, sich als Geschäftsführer einer GmbH oder als Vorstand einer AG vorzustellen?

Jeder Unternehmer kann sich über Rechtsformen mit seinen Beratern austauschen und viele werden erfahren, dass es einfacher ist, die bisherige Form, sei sie auch noch so ungeeignet, beizubehalten, denn jeder Wechsel erfordere administrative Veränderungen und verursache Kosten. Alternativ kann jeder Unternehmer das Portfolio seiner Lieferanten und Kunden durchforsten, um festzustellen, welche Rechtsform(en) in seiner Wertschöpfungskette vorrangig gewählt werden. Und er kann die Internetseiten seiner Konkurrenten aufsuchen, um sich auch mit ihnen zu vergleichen.

Es kann sich herausstellen, dass die große Menge der "old Fellows" nach wie vor als GmbH oder GmbH & Co. KG auftritt. Eventuell zeigt sich aber auch, je nach Branche, ein Trend hin zur Aktiengesellschaft oder zu europäischen Rechtsformen, den man ohne nähere Überprüfung der aktuellen Lage nicht erkannt hätte. Auch ein unbefangener Gedankenaustausch zwischen Unternehmern, wie ihn das Netzwerk des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ermöglicht, kann helfen, wichtige Weichen in die passende Richtung zu stellen.

22. Mai 2017

   


Lukas Walangitang

Lukas Walangitang arbeitet als Direktor Internal Audit für einen börsennotierten Konzern. Er bringt seine langjährigen Erfahrungen als Finanzmanager und Aufsichtsrat in seine Arbeit als Vorstand des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ein und begleitet Unternehmer auch in strategischen Fragen.