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Hans Meiser, Talkmaster und TV-Legende

Radiohören kann auch Freude machen

Es ist noch gar nicht so lange her, dass in Deutschland zum ersten Male ein Radio-Programm ausgestrahlt wurde. Noch nicht einmal 100 Jahre!!! Um Punkt acht Uhr – genaugenommen war es 20 Uhr, eine Zeitansage, die man damals so auch nicht kannte – am  29. Oktober 1923 werden in das Mikrofon im 3. Stock des Vox-Hauses in der Potsdamer Straße 4 diese Worte gesprochen: "Achtung! Hier Sendestelle Berlin Voxhaus, Welle 400. Wir bringen die kurze Mitteilung, dass die Berliner Sendestelle Voxhaus mit dem Unterhaltungsrundfunk beginnt." 1923 – es gab keine Kurzwelle, keine Mittelwelle, keine Langwelle, kein UKW und kein Stereo, kein digital und – keine Aufzeichnungen. Jedes Wort, jeder Ton wurde direkt gesendet, heute sagen wir "live". Die Nachrichten wurden vom im Frack gekleideten Nachrichtensprecher im Stehen verlesen, die "Königin der Nacht" tirilierte direkt, begleitet von einem Pianisten und vielleicht noch einer Geige.

Und heute? Im fast schon "atemlos"en Stakkato nahm die Entwicklung des Rundfunkwesens, zu dem streng genommen auch das Fernsehen gehört, seinen Lauf. Die Welle 400 gibt es schon lange nicht mehr, aber auch die Kurzwelle, die Mittelwelle, die Langwelle sind längst verschwunden. Gesendet wird in unseren Breitengraden nur noch auf UKW, der UltraKurzWelle. Und auch deren Sendetage sind gezählt. In Norwegen bereits im Jahr 2017. In diesem Jahr werden nahezu alle UKW-Frequenzen des Norsk rikskring kasting (NRK - also des norwegischen Reichsrundfunks) abgeschaltet. Schon  heute gehört das Land im hohen Norden zu einem der best ausgestatteten Länder mit Digitalrundfunksendern, und diese werden dann die Programm des NRK und der privaten Stationen ausstrahlen. Der Vorteil: Die unzähligen Berge und Täler des zerklüfteten Landes sind keine unüberwindbaren Hindernisse mehr für die Rundfunkprogramme. Von Süd nach Nord in Norwegen kann man ohne die Frequenz ändern zu müssen bei einem, bei seinem, Sender bleiben.

Und wem das norwegische Radioprogramm dennoch nicht gefällt, kann ja umschalten. Auf einen der  vielen 1.000 Internetradiosender weltweit.

Und was hat das alles mit Deutschland zu tun? Viel, sehr viel. Zu Zeiten, in denen der Dudelfunk zur auditiven unheilbaren Grippewelle mutiert, in denen die Radioprogramme privat und öffentlich-rechtlich von Freiburg/Breisgau bis Flensburg (fast schon Norwegen J ) gleich klingen ohne eigenen Charakter, zu Zeiten, in denen nahezu alle Moderatoren das inhaltlose Gleiche und das noch ohne eigene Persönlichkeit  sagen,  suchen sich immer mehr begeisterte Radiohörer "ihren" Sender. Das Ganze hat nur einen großen Nachteil. Internetradio und Autofahren passen z.B. absolut nicht zusammen. Der Grund ist einleuchtend. Internet im Auto – fast noch unmöglich. Was sehr schade ist. Gibt es doch zum Beispiel ein wirklich sehr gut gemachtes Rundfunkprogramm von dem  alten Radio-Haudegen Frank Laufenberg veranstaltet. Das Internetradio "PopStop - das Musikradio". Laufenberg, ein auch international bekannter und vor allem anerkannter Radiomann, produziert "PopStop – das Musikradio" im eigenen Funkhaus neben seinem Wohnhaus, irgendwo in der Eifel. Unterstützt wird er von Radio-Gläubigen, alles ausgewiesene Radio-Fachleute mit einem ungeheuren Fachwissen, die per Internet ihre Programme zuliefern.

Allen gemeinsam ist nur ein Antrieb:

Radiohören muss wieder Spaß machen. Kein dauerhaftes "Schteischen-ei-diiii"-Gedröhne, keine Nullmoderationen mit immer wiederkehrendem gleichlautendem "Hey, Mädels, an den Strand, die Sonne brennt"-Gequatsche. Nein, hier wird ein äußerst qualitatives Radio-Programm mit dennoch leichter Hand, hochinteressanten Informationen zu Künstlern und Produzenten, Stilrichtungen und auch eigenen persönlichen Eindrücken produziert – sehr oft auch live. Begleitet dann von einem live-chat zwischen den Zuhörern, an dem auch der Moderator teilnimmt. Ein Programm, das im ganzen Wust der fast gleichgeschalteten Programme mehr als wohltuend auffällt. Übrigens nicht nur mir, auch der großen ehrwürdigen Europäischen Rundfunkunion in Brüssel, die sich von Laufenbergs (noch) Internetradioprogramm begeistert zeigte.

Ihm und seinen Mitstreitern fehlt also eine bundesweite Frequenz. UKW ist unmöglich, und die Tage dieser Frequenz sind ja auch gezählt. Also bleibt nur eine digitale Frequenz. Die aber kostet Geld. Und wenn er das hätte, für die Sache und nicht für sich selbst, hätte Deutschland nach Deutschlandfunk (meist Wort) und Deutschlandradio (viel Wort, aber auch Musik) ein großartiges 3. Radioprogramm. Das noch nicht einmal Gebühren kostet. Ein Programm, das nicht nur die "Besten Oldies der 70-er, 80-er und90-er Jahre" abdudelt und in die UKW-begrenzte Welt hinausschreit, sondern das auch  modernen Stilrichtungen folgt, über Neuerscheinungen aus der ganzen Welt berichtet und Hintergrundinformationen liefert, die sonst in Deutschland nicht geliefert werden. Übrigens - während ich das hier gerade in den Laptop tippe, läuft nebenbei, also quasi gleichberechtigt zum Schreiben, "Popstop – das Musikradio" mit Frank Laufenberg. Es ist Mittwochabend, live-time im Radio. Chatten Sie doch mal mit, mit Frank Laufenberg. www.popstop.eu – und dort gibt's die Sendepläne, Playlists, Informationen zu den Moderatoren und viel, viel mehr……

16. Januar 2017

   


Hans Meiser

Hans Meiser ist Radio- und Fernsehmoderator, Journalist und "Erfinder" des Fernseh-Nachmittag-Talk.