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Reihe Faktencheck

 
 
 
 
 
 

Hubert Königstein

Männer haben mehr Rente als Frauen?
Obskure Studie des DIW stellt die Rentenzahlen auf den Kopf

Eine gerade veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die von der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde, kommt zu dem Schluss: Männer bekommen mehr Rente, die Kluft zwischen Männern und Frauen sei bei Renten noch größer als bei den Löhnen.

Der Faktencheck:

Maßstab einer seriösen Berechnung kann nie die Monatsrente sein. Nur der Gesamtrentenbezug ist von Bedeutung.

Nehmen wir ein Beispiel: Die Frauen des Jahrgangs 1951 können, mit Abschlägen, ab dem 60. Lebensjahr (warum eigentlich?) in Rente gehen. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung der Frauen von 80 Jahren sind das 20 Jahre Rentenbezug, ergibt 240 Monatsrenten. Wir unterstellen 750 € Rente (1), dann wären wir bei 180.000 € Gesamtrentenbezug einer Frau.

Die Altersgrenze für Männer liegt grob bei 65 Jahren. Die Lebenserwartung beträgt im Durchschnitt 73 Jahre = 84 Monatsrenten. 1.100 € Rente* unterstellt = 92.400 € Gesamtrentenbezug bei Männern. 180.000 € Frauenrente stehen 92.400 € Männerrente gegenüber.  Das ist nicht nur ein wenig, sondern es sind 100 Prozent mehr.

Ein Vergleich der Gesamtrentenbeiträge vor Rentenbeginn würde noch schlimmere Verhältnisse zu Lasten der Männer aufzeigen. Genau deshalb sind Männer in der Riesterrente auch fehl am Platz. Die Männerbeiträge samt Zulagen landen bei verpflichtenden Unisex-Tarifen (Europäischen Gerichtshof; gleicher Renteneintritt, bei gleichen Beiträgen gleiche Rentenhöhe) wegen der längeren Rentenbezugsdauer im Regelfall in hohen Maß auf Frauenbankkonten.

Dem Extrarentenanspruch ohne Extrabeitragszahlung Witwen-/Witwerrente stehen 300.000 Witwer mit niedrigen Renten über 5 Millionen Witwen mit höheren Renten gegenüber. 6 Mrd. € Erhöhung der Mütterrente bedeutet, dass über 900.000 Durchschnittsverdiener Jahr für Jahr ihrer gesamten Rentenbeiträge von rund 6.600 € durch diese beitragsfreie Mütterrente beraubt werden. Es kann dahinstehen, ob dies steuer- oder beitragsfinanziert ist, der Personenkreis der Zahlungspflichtigen ist ziemlich deckungsgleich.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Blick auf die Krankheitskosten. Bei den Krankheitskosten liegen die Frauen auf 140 % des Niveaus der Männer. 2 %-Punkte erklären sich durch Schwangerschaft, 2 %-Punkte erklären sich durch den höheren Bevölkerungsanteil. 36 % sind frauenspezifisches Verhalten. Bei 22 % niedrigeren Löhnen der Frauen heißt das auch, dass sie für 78 % der Krankenkassenbeiträge der Männer ein Niveau von 140 % der Männerkrankheitskosten versichert haben.

Fazit:
Schon bei der (abgewickelten) gewerkschaftlichen Gemeinwirtschaft (BfG, Coop, Neue Heimat, Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden u.v.a.m.) haben die zu Insolvenz neigenden Rechenkünste der Gewerkschaftler eine Ahnung davon vermittelt, was mit Arbeitnehmervermögen aus Gewerkschaftsbeiträgen passiert, wenn es in die Hände von Sozialisten fällt.

 

(1) Anmerkung zu den gewählten Werten: die aktuelle Durchschnittsrente liegt, mit nur 60 € Unterschied, bei den Männern in Ost und West bei 1.100 €. Bei Frauen ist der Unterschied bei der Durchschnittsrente zwischen Ost und West größer, Im Osten sind es aktuell über 800 €, im Westen um 600 €. Ich habe deshalb einen Betrag von 750 €, also von unter 800 €, gewählt.

20. Februar 2017

   

Hubert Königsstein
Diplom-Finanzwirt