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Johannes Pudelko, Rechtsanwalt

Kurze Anmerkungen zu Gender Pay Gap

In der derzeit wieder aktuellen Debatte um Gleichbehandlung (siehe Beitrag zum AGG), taucht immer wieder ein kontrovers diskutierter Begriff auf: Gender Pay Gap.

Gibt man den Begriff in einschlägigen Suchmaschinen ein, wird man informiert, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 23 % weniger verdienen als Männer. Ein Skandal. Nicht hinzunehmen. Da ist man sich durch die Lager hinweg einig. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, so muss es sein.

Allerdings findet man, wenn man die Suche weiter bemüht, auch Hinweise darauf, dass diese Zahl nicht ganz unbefangen ist:

Der ermittelte Wert ist "unbereinigt". Das bedeutet, dass Unterschiede bei Qualifikation, Tätigkeit, Branche oder Berufserfahrung nicht berücksichtigt werden (siehe Artikel des Instituts der Deutschen Wirtschaft). Werden demnach statistisch relevante Faktoren berücksichtigt (Teilzeitbeschäftigung, Bildungsstand, Dauer der Betriebszugehörigkeit), dann reduziert sich der "Gap" bereits auf 11 %. Die Berücksichtigung von familienbedingter Auszeiten (Dauer der Elternzeit/Mutterschutz), dann verbleibt lediglich noch ein Unterschied von ca. 2 %.

Dienen regulierende Maßnahmen wie die Einführung von Quoten oder verschärfte Antidiskriminierungsgesetze tatsächlich dem Ziel "Gleichbehandlung"? Tatsächlich wirken sie ja gerade ins Gegenteil: der Gesetzgeber fühlt sich stets bemüßigt, bestimmte Gruppen vor einer vermeintlichen Benachteiligung zu schützen, indem er Ihnen Vorzüge gewährt oder mehr Rechte einräumt. Das oben genannte Beispiel zeigt aber, dass man durch solche Maßnahmen ggf. Symptome bekämpft, die so gar nicht zutreffen.

Steuert man hier durch gewisse Maßnahmen gegen, erreicht man das Gegenteil von Gleichbehandlung. Man behandelt zwei Gruppen, die eigentlich nicht verschieden behandelt werden dürfen, unterschiedlich, ohne dass sachliche Gründe die unterschiedliche Behandlung rechtfertigen. Genau das ist aber die juristische Definition von Diskriminierung. Ob nämlich diese sachlichen Gründe tatsächlich vorliegen, lässt sich durchaus zur Disposition stellen, wie die Ausführungen oben zeigen.

Zusätzlich würden verschärfte Antidiskriminierungsgesetze auch gar nicht zu der Bereinigung des angeblich so hohen "Gender Pay Gaps" führen: Teilzeitbeschäftigung, Bildungsstand und Dauer der Betriebszugehörigkeit sowie die Übernahme von Familienbetreuung würden dadurch nicht beeinträchtigt.

Vermeintlich will man damit Gerechtigkeit schaffen. Tatsächlich führt dieser Weg in eine Gesellschaft, in der die Menschen eben nicht alle gleich vor dem Gesetz sind. In politisch aufgeladenen Zeiten wie derweil, ist das ein Spiel mit Streichholz und Benzinkanister.

27. Februar 2017

   


Johannes Pudelko

Johannes Pudelko ist Rechtsanwalt in Frankfurt am Main http://www.bouchon-partner.com