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Hubert Königstein

Steuerwahnsinn –
er sprengt jede Vorstellungskraft

Diejenigen, die noch in einem geordneten Bildungssystem aufwuchsen, kennen den mittelalterlichen "Zehnten", die Abgabe an den Lehnsherrn.

Allerdings ist dieser Prozentsatz ein Witz, wenn wir es ins Verhältnis setzen zum gierigen Zugriff unseren modernen Lehnsherren, zu dem sich ein monströs aufgeblähter Staats- und Verwaltungsapparat hochgeputscht hat.

Beigefügt habe ich eine Steuer- und Abgabenlasttabelle nach dem Stand 1998, die  - nicht mehr und nicht weniger - nur eine Vorstellung verschaffen soll, in welcher Höhe staatlicherseits zugegriffen wird. Die Umsatzsteuer betrug damals noch 16 Prozent, sie wurde ab 2007 nach einer Ankündigung der CDU von 2 %-Punkte-Erhöhung und der SPD von 0 % dann in Koalition von 16 auf 19 % erhöht (das entsprach einer Steuererhöhung um 18,75 %).

Übrigens wird bei Sachversicherungen 19 % Versicherungssteuer von den Beiträgen erhoben. Wenn ein Haus brennt oder das Kfz ruiniert wurde, werden vom Hausabriss und Neubau bzw. der Kfz-Instandsetzung dazu weitere 19 % Umsatzsteuer fällig, die von den Versicherungsbeiträgen beim Schadenersatz gezahlt werden (Gewerbesteuer und Einkommensteuer bei den Leistungserbringern mal nicht mitbedacht). Das heißt, von jedem Versicherungsbeitrag landen knapp 40 % beim Staat.

Bei der Grunderwerbsteuer von rund 6 % wird bewirkt, dass Grundbesitz, bei dem der Hausanteil bereits in der Regel mit 19 % Umsatzsteuer belegt ist, bei der Erstveräußerung dann zusammen rund 25 % des Hauswerts als Steuern an den Staat bezahlt werden. Wird der Grundbesitz erneut verkauft - Preisänderungen nicht bedacht -  liegt der Steueranteil bereits bei rund 31 %, bei einem weiteren Verkauf dann rund bei 38 %.

Wenn man das aufgezeigte Problem lösen will, ist mir kein anderer Ansatz eingefallen als die schrittweise Abschaffung aller über 150 Steuerarten und parallel schrittweiser Übergang zu einer Kopfsteuer. Um das Gesamtsteueraufkommen von 2007 von 488,4 Mrd. € (da hatte ich es zuletzt ermittelt) zu erzielen, wäre dies mit folgenden Steuerbeträgen möglich gewesen: 

Bis zum 17. Lebensjahr - null
vom 18. bis 64. Lebensjahr 7.671 €
ab 65. Lebensjahr 4.985 € (65 % Vollbetrags).

Diese Beträge wären auch gleich dem Bund, den Ländern und den Kommunen in festen Teilbeträgen zuzuweisen. Förderungsmöglichkeiten - einer der größten Auswüchse des bestehenden Systems – hätten sich dann erledigt.

Diese Art der Besteuerung – vermutlich der einzig brauchbare Ansatz - würde es erst möglich machen, den Politiker die Möglichkeit nehmen,  sich nach Lust und Laune im Portemonnaie der Bürger breit zu machen. Und es böte die Möglichkeit, die Bürger über die Höhe der Kopfsteuer in Volksabstimmungen abstimmen zu lassen. Bisher funktioniert das Herrschaftssystem nach dem Prinzip "Teile und herrsche"; man findet keine 2 Leute in diesem Land, die eine gleiche Steuerhöhe bezahlen. So man überhaupt in der Lage wäre, die Steuerhöhe zu ermitteln.

Einige Wirkungen einmal aufgezählt:

Der Staat wäre gezwungen, sich an jeden einzelnen Bürger/Wähler zur Steuererhebung zu wenden.

Betriebe ohne Arbeitnehmer und ohne Kreditgeschäfte können auf jegliche Buchführung verzichten.

Inkassoarbeiten für den Staat würden entfallen.

Die Preise wären in der Regel mindestens 19 % niedriger wegen Wegfall der Umsatzsteuer, bei Strom 52 % niedriger, bei Tabak wohl 85 % niedriger, bei Benzin wohl 80 % niedriger. Kfz-Steuer, Erbschaftsteuer, Grunderwerbsteuer – dies alles gäbe es nicht mehr.

Die Begriffe Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung könnten aus dem Vokabular gestrichen werden. Doppelbesteuerungsabkommen und Schnüffeleien im Ausland, SteuerCDs - alles erledigt.

Leute (geschätzt 200.000), die sich bisher mit Steuererhebung und Buchführung beschäftigten, könnten zur Wohlstandmehrung eingesetzt werden, woraus eine Arbeitszeitverkürzung ohne Wohlstandverluste sich ergäbe.

Die Besteuerung setzt nur bei den natürlichen Personen an. Eine Besteuerung von Betrieben findet nicht statt.

Die Bürger könnten dann auch nicht mehr von auf Ihren Eigennutz bedachten Parteien und Politikern - mit ihren eigenen Steuern - zu Handlungen oder Nichthandlungen geködert werden. Das ganze Malus- und Bonus-System wäre zu Ende.
  
Als kleines "Schmankerl" zum Schluss: Die IWF Chefin Lagarde, deren Einkünfte sämtlich steuerfrei sind, macht sich für eine 15%ige Vermögensabgabe zur Senkung der Staatsschulden stark.
RaubritterInnen, neudeutsch. 

Lohnen dürfte auch ein Blick in den nachfolgenden Beitrag:

https://www.youtube.com/watch?v=cdCp1cP_vYs

Wir sehen, dass der neue Hoffnungsträger der SPD, einstmals der Partei des "kleinen Mannes",  der ehemalige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz 324.221 € Bezüge hatte, von denen sagenhafte 225.197 € steuerfrei sind.

Nun sind wir wieder bei Fron und Zehntem – einer Zeit, als Adel und Klerus, von Linken gerne Schmarotzer genannt, steuerfrei waren.

Der Bayerische Steuerzahlerbund hatte übrigens berichtet, dass Bundesfinanzminister Schäuble vom ESM ein geheimes Gehalt in unbekannter Höhe erhält, das - es darf zu Recht vermutet werden, denn Offenlegung geschieht ja nicht - auch so gut wie steuerfrei ist.

Anlage: Broschüre "Steuern von A bis Z, 2011", BMF

06. März 2017

   

Hubert Königsstein
Diplom-Finanzwirt