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Gastkommentar:
Wolfgang Fottner, Chefredakteur WELT der FERTIGUNG

Der Niedergang des deutschen Bildungssystems
und die gesellschaftlichen Folgen

Deutschland ist in eine gewaltige Schieflage geraten. Die Folgen einer irregeleiteten Energiewende, die planmäßige Niveauzerstörung eines bisher guten Schulsystems, die Plünderung der Sozialsysteme, der Verfall der inneren Sicherheit und die Etablierung eines korrupten Finanzsystems sind Beispiele die zeigen, dass dieses Land, Vorbild in ganz Europa, gewaltig in Unwucht geraten ist.

Bürger und Unternehmen müssen tatenlos zusehen, wie in Deutschland das bewährte Schulwesen massiv umgebaut wird und seine früher weltweit bewunderte Leistungsfähigkeit verliert. Massenweise werden die Talente junger Menschen mittlerweile geschrottet. Eine dieser Folgen ist es, dass immer weniger Schulabgänger reif für eine Ausbildung oder ein Studium sind. Die Abbrecher-Quoten im Studium der Ingenieurwissenschaften beispielsweise sind enorm. Eine Untersuchung des HIS von 2012 zeigte, dass im Jahr 2010 an den Universitäten rund 49 Prozent aller männlichen und 42 Prozent aller weiblichen Studenten noch vor der Bachelor-Prüfung das Studium der Ingenieurwissenschaften abbrachen. Eine klare Sprache spricht auch die Abbrecher-Quote beim Staatsexamen der Rechtswissenschaften. Diese lag lange Jahre bei etwa neun Prozent und ist nun auf 26 Prozent im Jahre 2010 angestiegen.

Während früher das hiesige Bildungssystem die deutsche Wirtschaft problemlos mit qualifiziertem Nachwuchs aller Art versorgt hat, meinen nun politische Geisterfahrer, möglichst viele junge Menschen mit einem sie oft überfordernden Schulabschluss beglücken zu müssen. Während die Hörsäle mit zu vielen Menschen geflutet werden, suchen Arbeitgeber händeringend nach dem Talent, das nach seiner Ausbildung exorbitant teure CNC-Maschinen virtuos bedienen kann.

Der Fehler ist ganz klar in der Politik zu suchen. Hier haben sich Weltfremde aufgemacht, die Ungleichheit der Menschen zu bekämpfen. In Nordrhein-Westfalen werden zum Erreichen dieses Ziels die Lehrer mittlerweile erpresst, schlechte Noten zu vermeiden. Wer einen schlechten Notenschnitt seiner Klasse hat, wird vor den Fachkoordinator zitiert. Die Folge ist, dass diese Lehrer künftig die Finger von anspruchsvollen Arbeiten lassen, um diesbezüglichen Ärger sowie Sitzenbleiber zu vermeiden, was der Grünen Schulministerin Sylvia Löhrmann nur Recht ist, die Sitzenbleiben als Zeitverschwendung tituliert.

Dank dieses Wahnsinns gibt es in Deutschland immer mehr Analphabeten, obwohl dieses Problem eigentlich seit 1912 als besiegt galt. Damals waren weniger als 0,02 Prozent der Bevölkerung Analphabeten. Heute ist alleine in Berlin etwa jeder achte Bewohner zumindest ein funktionaler Analphabet, der gerade einmal einfachste Wörter schreiben und lesen kann. Statistisch gesehen sind 32 Prozent der deutschen Erwerbslosen Analphabeten. Bezeichnenderweise gibt es keine Angaben, wie es bei den nichtdeutschen Arbeitslosen aussieht. Wer sich nun fragt wie das möglich ist, erfährt die Antwort bei den Leuten, die heute wichtige Bundesländer regieren und für deren schulischen Niedergang sorgen.

Das kaputtreformierte deutsche Bildungssystem bringt heute deutlich weniger qualifizierte Menschen hervor, die zu allem Überfluss nicht selten auch noch schlechter ausgebildet sind. Wer die Miesere beseitigen will, tut gut daran, der Natur über die Schulter zu sehen, die ganz bewusst unterschiedlich "talentierte" Geschöpfe produziert. Nur Vielfalt garantiert das Überleben der Gesamtpopulation. Der Natur sind kommunistische Ideen der Gleichmacherei fremd. Warum um alles in der Welt sollen denn Bildungsabschlüsse vergleichbar sein? Wieso müssen Deutschlands Studenten und Auszubildende mit denen von Malta, Zypern oder Rumänien auf eine Stufe gestellt werden? Warum wird der Wettbewerb zwischen den Nationen ausgeschaltet? Mit der Idee, die Quote an Abiturienten und Studenten zu erhöhen, wird das genaue Gegenteil vom Erhofften erreicht. Nicht nur hier zeigt es sich, dass Quoten Garanten für Einstieg in den Ausstieg sind.

Viele Arbeitgeber machen es sich zu einfach, zur Abfederung dieser verfehlten Politik nach der Fachkraft aus dem Ausland zu rufen. Unter den Rufern sind gerade diejenigen Unternehmen zu finden, die nicht selbst ausbilden, obwohl sie es könnten und auch die Mittel dazu hätten. Sie leben praktisch von den Leistungen anderer Unternehmen, die sich ihre Fachleute selbst ausbilden und daher auch keinen Fachkräftemangel kennen. Diese nehmen sogar Geld in die Hand, um mit eigenen Kursen und Schulungen die Defizite des mittlerweile maroden deutschen Schulsystems auszubügeln.

Wer nach Fachkräften ruft, sollte dies innerhalb der Mauern der politischen Verursacher tun. Seitdem beispielsweise Rot-Grün in Baden-Württemberg das Zepter führt, stehen völlig andere Werte in der Beschulung auf der Agenda, als die, die der Industrie wichtig sind: Sexualkunde statt Dreisatz und Gender-Stunden statt Werken oder Maschinenschreiben.

300 Stunden Physik bei 1.000 Stunden Religion

In der deutschen Bildungslandschaft stehen knapp Tausend Stunden Religion auf dem Lehrplan, bis der junge Mensch sein Abi in der Tasche hat. Nicht einmal 300 Stunden Physikunterricht müssen hingegen reichen, um ein Studium aufzunehmen. Da sind die ausgefallenen Stunden an den Schulen noch gar nicht eingerechnet. Und es wird nicht besser: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat vor einem Lehrermangel in Physik sowie einer unzureichenden Ausbildung künftiger Physiklehrer gewarnt. In den nächsten 15 Jahren werden rund 50 Prozent alles Physiklehrer in den Ruhestand gehen und zudem keine entsprechend ausgebildeten Junglehrer mehr eingestellt.

Wer als Ressort-Verantwortlicher auf die zu knappen Mittel für mehr Lehrkräfte verweist, outet sich als Mitläufer des Systems. Durch geringe Physikkenntnisse kann man erreichen, dass die Schar derjenigen immer kleiner wird, die in der Lage sind, beispielsweise den Klimaschwindel als solchen zu entlarven. Ist es ein Wunder, dass mittlerweile Einwanderer aus der EU eine bessere Qualifikation, als hier Geborene haben? Auch hier wird der massive Verfall des deutschen Bildungssystems dokumentiert.

Wir sehen derzeit einer Fehlentwicklung tatenlos zu, in der eine ideologisierte und fanatisierte öko-linke Minderheit einer ganzen Industrienation die lange Nase dreht. Spinner haben Narrenfreiheit, ihre kruden Ansichten straflos auf Kosten von Kindern umzusetzen. Sie können gar nicht verstehen, dass ihre "edlen" Gedanken auch Kritik, wie zum Beispiel beim in ihren Augen hochedlen Projekt ›Inklusion‹, hervorrufen. Wer ein geistig behindertes Kind zusammen mit nicht behinderten Kindern beschulen möchte, vergeht sich an beiden Gruppen bezüglich ihrer Bildungsrechte.

In welchem Interesse ist es, die Berufsbildungswerke auszuhungern?

Auch Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf bestmögliche Beschulung, die eben nur in der Obhut von Experten möglich ist. Warum sonst haben verantwortungsbewusste Vorbilder vor über 200 Jahren begonnen, spezielle Einrichtungen für Behinderte zu bauen? In Berufsbildungswerken zum Beispiel werden heute Menschen mit Behinderung zu nachgefragten Spitzenfachkräften ausgebildet, die später sogar über ihre Steuerzahlungen als Arbeitnehmer ihre Ausbildungskosten innerhalb von zehn Jahren wieder an die öffentliche Hand zurückzahlen können, wie 2010 eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft nachwies. Diese Menschen sind dank ihrer Bildung in der Lage, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und brauchen in der Regel auch keinen Beistand, um beispielsweise Behördengänge zu erledigen.

Wer dann noch erfährt, dass diese Einrichtungen durch politische Vorgaben weit unter ihrer Kapazität betrieben werden, kann nachvollziehen, dass mit dem Thema ›Inklusion‹ aus durchsichtigen politischen Gründen lediglich ein Standortvorteil einer Industrienation beseitigt werden soll. Längst nicht mehr alle Behinderten kommen in den Genuss dieser Einrichtungen. Viele müssen sich anderweitig nach einer Ausbildungsstelle umsehen und werden daher nicht selten unter Wert ausgebildet. Dabei leisten Berufsbildungswerke eine bewundernswerte Arbeit. Bei 88 Prozent liegt beispielsweise im BBW München die Bestehensquote und damit oft über dem Kammerdurchschnitt! Nicht selten bringen Berufsbildungswerke sogar Kammer- und Innungssieger hervor! Dieses Erfolgsmodell soll künftig Geschichte sein?

Inklusion in umgekehrter Richtung

Und überhaupt: warum drehen wir das System nicht vom Kopf auf die Füße? Warum nicht einmal Inklusion in umgekehrter Fahrtrichtung? Soll heißen: NICHT behinderte junge Menschen in einem Berufsbildungswerk zu nachgefragten Fachkräften ausbilden?. Dabei wäre das problemlos machbar, da die BBWs , wie erwähnt, weit unter ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten müssen. Bei 52 Berufsbildungswerken, die es in Deutschland gibt, könnten sicher mehr als 5000 Nichtbehinderte, eventuell schwerer in den Arbeitsmarkt zu integrierende Jugendliche, gemeinsam mit behinderten Menschen einen Beruf lernen. Eine stolze Zahl von Fachkräften, die hier dem Arbeitsmarkt vorenthalten wird. Hier lohnt es sich für Arbeitgeber, nach der gesuchten Fachkraft zu rufen und die politisch Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Man fasst es nicht, dass das Ende der Berufsbildungswerke eines der Ziele der Inklusionsbewegung ist. Eine Schande wenn es so weit käme und ein riesiger Verlust für die Behinderten, die in der Mehrzahl die fehlgeleitete Inklusionsbewegung selbst nicht wollen, da sie wissen, was sie an den heute existierenden Einrichtungen haben.

Behinderte fordern interessanterweise auch keine Quote zu ihrem Schutz, denn sie müssen sich angesichts ihrer Ausbildung keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen. Im Gegenteil! Wenn ein Arbeitgeber einmal einen Behinderten eingestellt hat, wird er es immer wieder tun, da diese Personengruppe besonders ehrgeizig und gewissenhaft ist. Sie wissen selbst am besten, dass nur ihre Leistung und nicht der gesetzliche Anspruch ihnen den Arbeitsplatz sichert.

Auch das haben "Gutmenschen" noch nicht verstanden und fordern nun sogar Quoten für Migranten und Frauen. Hier stellt sich die Frage, warum ein dem Wettbewerb ausgesetzter Arbeitgeber seine freien Stellen nach dem Geschlecht oder Herkunft und nicht nach der Qualifikation besetzen soll. Es ist unerträglich, dass sich Politiker anmaßen, in das grundgesetzlich garantierte Eigentumsrecht eines Bürgers einzugreifen, der sich mühsam aus kleinsten Anfängen ein Unternehmen aufbaute. Er ist dem Wettbewerb ausgesetzt und darauf angewiesen, die besten Kräfte zu bekommen, die sich ihm anbieten.

Für den Öffentlichen Dienst ist das planwirtschaftliche Instrument "Quote" bereits umgesetzt. Dort werden Stellen bei gleicher Eignung zwangsweise mit Frauen besetzt. Ein schlimmer Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Wenn schon zwei Bewerber die gleiche Eignung haben, dann muss die Stellenbesetzung per Los und nicht per Gesetz erfolgen, da sonst der Rechtsstaat massiven Schaden nimmt. Nicht anders wäre bei Migranten zu verfahren. Mit welchem Recht sollen Stellen nur mit Migranten besetzt werden, bis die festgesetzte Quote erreicht ist? Hier wird massiv gegen das Grundrecht verstoßen, das die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz anmahnt.

Alles in allem möchte man am Ende die Frage stellen: wo seid Ihr, die Mitglieder der Industriegewerkschaften? Ihr, die ihr mit eurem Fortschrittsglauben, eurem Optimismus und euren unglaublichen technischen Fertigkeiten das mitgeschaffen habt, was unsere Industriegesellschaft so erfolgreich gemacht hat. Ihr, die ihr mit Pragmatismus und Stolz die Basis gelegt habt für ein Ausbildungswesen, dass in der Welt seinesgleichen gesucht hat. Ihr, die Ihr immer genau so stolz auf einen Meisterbrief wart wie andere auf das Abitur.

Glaubt Ihr, dass ein Heer von Sozialarbeitern euren Enkeln das Auskommen sichern wird?

Wolfgang Fottner ist Chefredakteur
der Zeitschrift Welt der Fertigung
Fachmagazin für die Fertigungsindustrie