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MÄRKTE und FINANZEN

 
 

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Oskar Loewe, GF Landesverband Schweiz des DAV

Neue Chancen im
Schweizer Gesundheitsmarkt

Im Schweizer Gesundheitsmarkt ist der Ausblick auf 2016 / 2017 äusserst positiv. Der Grund: Eine geänderte Gesetzeslage zur Spitalfinanzierung und ein erheblicher Investitionsstau bei den öffentlichen Spitälern lässt besonders ausländische Medtech-Unternehmen hinsichtlich zukünftiger Marktaktivitäten in der Schweiz optimistisch in die Zukunft schauen.

Die jetzt in der Schweiz eingeführte neue Spitalfinanzierung zwingt die Spitäler im drittgrössten Medtech-Markt Europas, die Finanzierungsgrundlagen für notwendige Investitionen zunehmend selbst zu erwirtschaften. Dabei nutzen sie zunehmend auch den Kredit- und Kapitalmarkt. Um sich diese neuen Markchancen zugänglich zu machen, haben Schweizer Banken systematisch Know-how zur Spitalfinanzierung aufgebaut, um den Betreibern der Spitäler als Finanzierungspartner zur Verfügung zu stehen. "Gerade diese Situation eröffnet ausländischen Playern mit guten Produkten und Leistungen, welche finanziell gut aufgestellt sind und attraktive Finanzierungsangebote machen können, beste Chancen" sagt der Autor Oskar G. Loewe, Landesgeschäftsführer Schweiz bei Deutscher Arbeitgeber Verband e.V.. "Viele der kleineren inländische Anbieter haben auf diesem Gebiet bereits Probleme, mithalten zu können", fügt Loewe hinzu.

Versäumnisse der Vergangenheit müssen aufgearbeitet werden

Derzeit werden in der Schweiz jährlich fast CHF 8 Mrd. in Medizintechnik investiert, was rund 11% der Schweizer Gesundheitsausgaben ausmacht. Um in einem vom Wettbewerb geprägten Umfeld weiterhin erfolgreich bestehen zu können, müssen Schweizer Spitäler in Zukunft viel stärker in neue Technik und umfangreichere Ausrüstungen investieren. Gleichzeitig werden auch die Bereiche vergrössert, in denen ambulante Behandlungen durchgeführt werden können. Dadurch nimmt der Bedarf an neuen Immobilien für den Spitalbetrieb stark zu. Dazu sind viele Gebäude in die Jahre gekommenen, was die Betreiber vor grosse finanzielle Herausforderungen stellt. Während sich die Ausgaben für Spitalleistungen gegenüber 1995 heute fast verdoppelt haben, bewegten sich die Investitionen in Um- und Neubauten 2011 nur 8% über dem Niveau von 1995. Gerade deshalb müssen die Versäumnisse aus der Vergangenheit nun aufgearbeitet werden und führen zu grösseren Investitionen.

Investitionsstau von über CHF 9 Mrd. allein bei Bauten

Schweizweit sind zurzeit, gemäss Berechnungen der Banken, Bauprojekte im Umfang von knapp CHF 9 Mrd. absehbar. Damit stehen für die kommenden 5 bis 15 Jahre Investitionsabsichten im Raum, die dem Bauvolumen der letzten 17 Jahre entsprechen. Das geplante Volumen dürfte aber erst die Spitze des Eisberges an Neubauplänen sein, welche in den Schubladen von Spitälern und Planern auf Realisierung warten. Diesen Investitionsbedarf zu finanzieren, zu dem ja noch die Kosten der Einrichtung und Ausstattung hinzukommen, und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren, wird eine der grössten Herausforderungen der Zukunft für die Betreiber sein. Der medizinische Fortschritt, die demografische Entwicklung und der weiterhin steigende Lebensstandard sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Medizintechnik und Spitalimmobilien in der Schweiz stetig weiter wächst. Ein Chance, die in Zukunft besonders ausländischen Player zugute kommen dürfte, da sie ihre Forschung und andere wichtige Teile ihrer Kostenblöcke im günstigeren Ausland haben.

Die Schweizer Einkäufermesse: Swiss Medtech Expo in Luzern

Die Swiss Medtech Expo, welche vom 19-20. September 2017 wieder in Luzern stattfindet, ist die Einkäufer-Fachmesse für den drittgrössten Medtech-Markt Europas. Auf dieser führenden Plattform präsentieren sich System- und Komponentenlieferanten, spezialisierte Dienstleister sowie Forschungs- und Bildungsinstitute den Entwicklern und Ingenieuren wichtiger Herstellerfirmen. Die Swiss Medtech Expo fokussiert auf Innovation, Systemlieferanten und additive Fertigung. So wird an der nächsten Ausgabe die Rapid.Area, eine mobile Messeplattform für additive Fertigung und 3D-Druck, zu sehen sein. Die letzte Ausgabe der Swiss Medtech Expo hatte 160 Aussteller, über 1'500 Entwickler und Ingenieure namhafter Herstellerfirmen und KMUs nutzten diese Gelegenheit, um sich mit führenden Systemlieferanten und Innovations-Enabler zu vernetzen.. Ein attraktives Rahmenprogramm, das in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA und der AO Foundation Davos entstand, widmet sich 2017 zukunftsweisenden Themen und Trends.

Der Health Tech Cluster Switzerland (HTCS)
und die Info-Veranstaltung am 23. Mai 2016

Die Organisation der Swiss Medtech Expo findet in enger Zusammenarbeit mit dem Health Tech Cluster Switzerland (HTCS) als Hauptpartner statt. HTCS ist ein Netzwerk von Medtech Unternehmen, Zulieferern, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie Dienstleistern und Investoren im Bereich der Gesundheitstechnologien. Der Deutsche Arbeitgeber Verband e.V. mit seiner Initiative "Connected Enterprise" ist strategischer Partner des Clusters. Der Verband organisiert für einen wichtigen Investor im Cluster, die ADT INNOVA Immobilien und Verwaltungs AG, die gerade am Standort des Clusters in Küssnacht am Rigi www.healthtech.ch das erste neue Bürogebäude erstellt hat, am 23. Mai 2016 eine Informationsveranstaltung. Zu diesem Anlass werden zahlreiche Medtech-Unternehmen aus Deutschland und anderen Ländern erwartet, die sich über den Standort und die neuen Chancen am Schweizer Gesundheitsmarkt informieren wollen. Ausserdem wird der in Zusammenarbeit mit dem DAV erarbeitete Unternehmer- und Investorenleitfaden Focus Switzerland 2016-2017"Gesundheitsmarkt Schweiz" vorgestellt. Es besteht noch Teilnahmemöglichkeit.
Kontakt: loewe@deutscherarbeitgeberverband.com.

LIMEDex Index als Stimmungsbarometer
der Schweizer Medtech Industrie

Der LIMEDex Index basiert auf vierteljährlichen Umfragen bei mehr als 80 international tätigen Innovations- und Marktführern aus der Schweizer Medtech-Industrie. Darunter auch Nischenanbieter, KMU und große multinationale Konzerne, deren Aussichten auf und ihr Vertrauen in die Märkte im Rahmen von 27 Key Performance Indicators (KPIs) erfasst werden. Der LIMEDex Index, der die Stimmung in den Unternehmen in wichtigen Geschäftsfeldern erfasst, gibt seit Anfang 2015 auch Auskunft über die Entwicklung der Rentabilität in den Unternehmen. Der Ausblick für die Steigerung der EBIT-Marge stieg Ende des Jahres 2015 auf 1,3% gegenüber 0,5% zu Beginn des Jahres. "Die Verbesserungen im Bereich Operational Excellence haben bei den Unternehmen dazu beigetragen, die Kostenstrukturen zu verbessern. Dazu kamen wichtige Zugänge beim Management", sagte Beatus Hofrichter, Herausgeber des LIMEDex Index.

Hoher Frankenkurs wirkt sich für
Schweizer Unternehmen negativ aus

Der LIMEDex Index zeigt hinsichtlich des Umsatzwachstums weiterhin positive Werte, die aber  rückläufig sind. Zum Jahresbeginn noch mit 6,3% ermittelt, wurden im letzten Quartal nur noch 4,1% erreicht. Das Vertrauen in das Exportwachstum ist bei der Mehrheit der Schweizer Medtech-Firmen, insbesondere in Asien, den USA und Europa deutlich rückläufig. Es wird nicht nur von makroökonomischen Trends wie Frankenkurs, Wechselkurse, globalem BIP, Gesundheitsausgaben und politischen Veränderungen in den Schlüsselmärkten beeinflusst, sondern auch durch eine verstärkten internationalen Wettbewerb und eine spürbare Konsolidierung. "Wir beobachten Medtech-Unternehmen nicht nur hinsichtlich Preisgestaltung, Portfolio-Mix und der Sättigung einzelner Absatzkanäle und stellen dabei besonders Defizite in der Vertriebsstruktur fest, der das  Volumenwachstum behindert. Gerade das ist eine besorgniserregende Entwicklung", so Beatus Hofrichter.

Der Autor Oskar Loewe ist seit 8/2015 Geschäftsführer des
Landesverband Schweiz bei Deutscher Arbeitgeber Verband e.V..
Der Verband engagiert sich als strategischer Partner des Health Tech Cluster Switzerland in Küssnacht am Rigi www.healthtech.ch.
Kontakt: loewe@deutscherarbeitgeberverband.com

07. März 2016