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Ich SELBST trage die VERANTWORTUNG für mein Leben.

 
 

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Vera Lengsfeld, 1990 – 2005 Mitglied des Bundestages

Sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen

Ich bin aufgewachsen in einer Diktatur, in der alle wichtigen Entscheidungen nicht von den  Menschen selbst, sondern von Kommissionen getroffen wurden. Nach dem Abitur bekam man einen Termin bei der Studienlenkung. Hier durfte man seinen Wunsch vortragen. Ich wollte Geschichte und Philosophie studieren, spätestens seit ich Heinrich Heines "Geschichte der Religion und der Philosophie in Deutschland" gelesen hatte. Finno- Ugristik  wäre die zweite Wahl gewesen, denn seit meinem ersten Besuch in Ungarn hatte ich angefangen, Ungarisch zu lernen.

Die Kommission hörte sich meine Vorstellungen freundlich an. Was das Sprachstudium anbelange, so gäbe es in diesem Jahr nur drei Plätze für alle im Land. Ob ich da eine Absage riskieren wolle? Was die Geschichte beträfe, sei alte Geschichte doch was für Rentner und nicht für junge Frauen. Aber man hätte den idealen Studienplatz für mich: Marxismus-Leninismus und Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in Leipzig. Ich war noch zu unsicher, um zu widersprechen, außerdem wollte ich von meinen Eltern weg. Also landete ich in Leipzig.

Ich musste diese Fremdbestimmung nie bereuen, denn in Leipzig begegneten mir sowohl unter den Kommilitonen, als auch unter einigen Lehrkräften Menschen, die mir neben dem offiziellen Lehrplan, der im Wesentlichen aus einer mehrbändigen "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung", geschrieben von einem Autorenkollektiv unter der Leitung des damaligen Partei-und Staatschef Ulbricht bestand, viel darüber beibrachten, wie die Geschichte wirklich gelaufen ist. Das ging so: Im Seminar wurde der offizielle Stoff vermittelt. Beim Kaffee danach, was tatsächlich abgelaufen ist. Vielleicht waren wir eine Ausnahmegruppe. Obwohl alle außer mir Mitglied der SED waren, machten wir unseren Seminarausflug nach Röcken, an das Grab von Friedrich Nietzsche, wo wir uns aus seinen Schriften vorlasen. Wenn das ruchbar geworden wäre, hätte das die Exmatrikulation der gesamten Gruppe zur Folge gehabt. Ich bekam die ersten Bücher von Kritikern des Stalinismus zu lesen, erfuhr vom Terror, lernte im Elternhaus meines ersten Mannes politische Gefangene aus Stalins Lagern und Ulbrichts Gefängnissen kennen.

Zur Philosophie kam ich auch noch. Im zweiten Studienjahr wurde ich schwanger. Anfang der 70er Jahre lebten die Studenten in Leipzig noch in den Messehallen, deshalb war unser Studienjahr an die Messezeiten angepasst. Es war nicht daran zu denken, in einer Massenunterkunft mit einem Baby zu leben. Die Wohnraumlenkung bot mir eine Wohnung in Wurzen und einen Wochenkrippenplatz an, in Leipzig selbst bestand keine Aussicht. Wir wollten uns damit nicht abfinden und machten uns selbst auf die Suche. Nach den ungeschriebenen Gesetzen der Wohnungsverwaltung konnte, wer drei unbewohnte Wohnungen nachwies, die dritte behalten. Wir streiften tagelang durch Leipzigs Altbauviertel. Bei dieser Gelegenheit lernte ich die Bausubstanz Leipzigs kennen und fürchten. Wir fanden tatsächlich die drei benötigten Leerstände, aber in keine der Wohnungen wollte ich einziehen.

Die Alternative war, zurück zu meinen Eltern nach Berlin zu ziehen. Wir erreichten, dass wir uns, was in der DDR unüblich war, in Leipzig exmartrikulieren und nach Berlin an die Humboldt-Universität wechseln durften. Dort gab es nur das Studienfach Marxistisch-Leninistische Philosophie, was uns recht war.

Dank der Sonderstudienpläne für Mütter konnte ich ein halbes Jahr aussetzen und ein Studienjahr tiefer weiter machen. 

Als Erstes stellte ich fest, dass die Studienmaterialien so angelegt waren, dass immer nur bestimmte Textstellen aus Marx, Engels oder Lenin gelesen werden sollten. Das weckte meine Neugier. Ich las, was davor und danach stand und stellte entsprechende Fragen. Mein Seminarleiter nahm mich daraufhin zur Seite und sagte mir, dass ich Schwierigkeiten bekäme, wenn ich mehr läse, als in den Vorlagen angegeben. 

Er riet mir später, mich auf Ethik zu spezialisieren, was ein guter Tipp war. Einer unserer beliebtesten Dozenten,Prof. Gerd Irrlitz, der alte Philosophie las und mit seinen Anspielungen in der Vorlesung manche junge Genossen in große Verwirrung versetzte, gab ein Oberseminar "Geschichte der Ethik". Das war anfangs überfüllt, leerte sich aber bald, weil es eine Lehrveranstaltung war, die nicht bewertet wurde. Als ich einige Seminarstunden mit ihm allein absolviert hatte, begann mir der Dozent zu erklären, warum die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" des neuen Partei-und Staatschefs Erich Honecker nicht funktionieren könne. Die Staatsreserve sei bereits aufgebraucht, jetzt würde die Substanz angefressen. Er sagte den wirtschaftlichen Kollaps der DDR bereits 1974 voraus! Ich muss heute immer öfter an ihn denken,besonders nach der Ankündigung von Gesundheitsminister Gröhe, die Reserven der Krankenkassen für die Versorgung von Flüchtlingen anzugreifen.

Prof. Irrlitz riet mir, meine Diplomarbeit über den Verhaltensforscher Konrad Lorenz zu schreiben, dessen Forschungen damals auch in der DDR diskutiert wurden, ohne dass wir die Möglichkeit hatten, seine Bücher zu lesen. Er besorgte mir auch einen so genannten "Giftschein", mit dem ich in der Stadtbibliothek in einem abgeschirmten Raum "Das sogenannte Böse" lesen durfte. Ich machte mich mit Schwung an die Arbeit, stellte aber bald fest, dass ich weniger zu kritisieren, als gutzuheißen fand. Meine Rettung war, dass ich durch einen älteren Doktoranden auf eine Stelle bei Lenin aufmerksam wurde, die zum vorsichtigen Umgang mit bürgerlichen Wissenschaftlern mahnte. Man dürfe ihre Ergebnisse nicht pauschal verdammen und ihnen eventuellen Missbrauch durch Epigonen nicht vorwerfen.

Meine Diplomarbeit war für die Humboldt-Universität ein Dilemma. Man hatte mich bereits als Beststudentin für die Akademie der Wissenschaften vorgeschlagen, die 1975 erstmals Absolventen in ihre Institute aufnahm. Diese Empfehlung konnte man ohne Gesichtsverlust nicht revidieren. 

Statt eines Gutachters bekam ich drei und meine Diplom-Verteidigung fand mit viel Publikum statt, denn meine unkonventionellen Thesen hatten sich irgendwie herumgesprochen. Am Ende bekam ich eine Drei und wurde ermahnt, mich an der Akademie in die Klassiker des Marxismus-Leninismus zu vertiefen.

Das geschah auch. Ich bekam von meinem neuen Chef Professor Eichhorn den Auftrag "Die deutsche Ideologie", ein Frühwerk von Marx und Engels nach Hinweisen zu durchforsten, daß Ethik überflüssig, weil nur etwas für die "Bauchschmerzen der Bürgerlichen" sei. Leider fand ich lauter Stellen, die auf das Gegenteil hinwiesen. Danach war es mit meiner wissenschaftlichen Karriere vorbei.Bald darauf bekam ich des erste Parteiverfahren und wurde an das "Institut für wissenschaftliche Information" zwangsversetzt.

Dank eine Chefin, die gerade von einem mehrjährigen Aufenthalt in Schweden zurückgekehrt war und eine gewisse Distanz zum heimatlichen Parteigeschehen hatte, landete ich überraschend als Beobachterin des westlichen Philosophiegeschehens. Teil meiner neuen Aufgabe war, nicht nur regelmäßig die allerdings drei Tage alten FAZ und NZZ zu lesen, sondern auch relevante Literatur aus dem Westen für die Akademiebibliothek zu bestellen. Damals waren die "Neuen Philosophen", wie André Glucksmann, in Frankreich in aller Munde. Ich stellte ein Dossier über die relevanten Aussagen zusammen, das den Institutsleitern als Hintergrundinformation zur Verfügung gestellt wurde. Einige der Honoratioren reagierten regelrecht begeistert, der Chef des Philosophischen Instituts dagegen lies ein vernichtendes Gutachten über meine Arbeit erstellen, das nahe legte, eine so unzuverlässige Genossin, wie ich es sei, an eine ungefährliche Stelle zu versetzen. 

Ich arbeitet das Material in einen Artikel um und bot es einem ehemaligen Mitstudenten aus Leipzig an, der inzwischen in der Redaktion der FDJ-Zeitung "Forum" arbeitete. Der Artikel erschien, allerdings unter einem Alias. Es war die letzte Nummer des "Forum", das stillschweigend ohne Begründung eingestellt wurde.

Danach war mir klar, dass ich nicht in der Akademie bleiben konnte. Ich suchte mir mit Hilfe von befreundeten Schriftstellern eine Nische als Lektorin für sowjetische Krimis im Verlag "Neues Leben". 

Inzwischen hatte ich den ersten Friedenskreis der DDR, den Friedenskreis Pankow mitbegründet.

Die heute so genannte Bürgerbewegung der DDR nannte sich damals "Unabhängige Friedens-Umwelt- und Menschenrechtsbewegung". Wir waren Leute, die ab Beginn  der 80er Jahre eine Opposition gegen das DDR- Regime aufbauten und betrieben, indem wir den einzigen Freiraum nutzen, den es in der DDR gab- die Räume der Evangelischen Kirche. In diesen Räumen durfte die Staatssicherheit keine Verhaftungen vornehmen, keine Veranstaltungen verbieten, keine Versammlungen auflösen. 

Natürlich war uns klar, dass wir von der Staatssicherheit der DDR beobachtet werden würden. Wir bekamen in unserm Privatleben jede Menge Ärger: Reiseverbote, Berufsverbote, Kurzzeitverhaftungen, Haussuchungen. 

Ich hoffte zwar, in meiner beruflichen Nische unbehelligt zu bleiben, bereitete mich dennoch auf ein mögliches Berufsverbot vor. Das kam 1983 nach meinem zweiten Parteiverfahren, das mit meinem Ausschluss aus der SED endete. Am nächsten Tag wurde ich zum Verlagsleiter bestellt, der mir meinen Rausschmiss aus dem Verlag verkündete. 

Ein Arbeitsplatzverlust aus politischen Gründen war heikel, denn es gab kaum Möglichkeiten, mit diesem Makel eine neue Anstellung zu finden. Nach dem im Volksmund so genannten "Asozialenparagraphen" konnte mit Gefängnis bestraft werden, wer länger als sechs Wochen keiner geregelten Arbeit nachging. Ich entging der Gefahr, indem ich mich mit meinem damaligen Mann als Imker selbständig machte. Wir hatten von einem alten Imker zwei Wanderwagen und die Bestäubungsverträge mit den LPGs übernommen. Mit 120 Bienenvölkern verdienten wir das Doppelte dessen, was wir als wissenschaftliche Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften verdient hatten. 

Materiell ging es mir so gut wie nie, geistig war ich unterfordert und außerdem schreckte mich die Aussicht, nie wieder wissenschaftlich tätig sein zu können. 

Also fasste ich den Entschluss, ein zweites Studium, der Theologie, aufzunehmen, mit dem Ziel, nach dem Examen eine Tätigkeit als Philosophiedozentin an einer der drei kirchlichen Hochschulen der DDR aufzunehmen.

Meinem Studium wurde durch meine Verhaftung im Januar 1988 ein Ende gesetzt. Ich hatte, gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern versucht, an einer von der SED organisierten Demonstration mit eigenen Plakaten teilzunehmen. Auf meinem Plakat stand: "Jeder Bürger der DDR hat das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern". Das war der erste Satz des Artikels 27 der Verfassung der DDR. Ich hatte mit meiner Kurzzeitfestnahme gerechnet, nicht aber mit einer Verhaftung, denn ich hatte kein Gesetz der DDR verletzt.

Ich wurde dennoch verhaftet und vor Gericht gestellt. Die Anklage lautete "Rowdytum". Die vorgesehene Höchststrafe dafür waren acht Jahre. Ich müsste mit vier Jahren rechnen, sagte mir mein Anwalt Wolfgang Schnur, der nach dem Mauerfall als Stasispitzel enttarnt wurde.

 Erschreckt .durch diese Aussicht, setzte ich bei meinem Vernehmer durch, dass ich ein Strafgesetzbuch der DDR bekam, um mich auf den Prozess vorzubereiten. Das musste ich im Beisein des Vernehmers tun, der sich stundenlang langweilen musste und mich immer wieder fragte, ob ich denn einen Roman schreiben wollte. Vor Gericht verteidigte ich mich weitgehend selbst. Ich hatte mir von meinem Anwalt meine besten Sachen: Bleistiftrock, Seidenpullover und Highheels mitbringen lassen. Ich verkündete, wenigstens der eleganteste Rowdy sein zu wollen, den die DDR je verurteilt hatte. Ob dieses oder eines der anderen Argumente wirkte, weiß ich nicht, aber mitten im Prozess änderte der Richter den Anklagevorwurf auf "Versuchte Zusammenrottung" und verurteilte mich zu sechs Monaten. 

Nach einem Monat wurde ich wie die andern, mit mir verhafteten Bürgerrechtler in den Westen abgeschoben. Offiziell hieß es, da ich eine Ausbürgerung und Abschiebung in die BRD abgelehnt hatte, es gäbe eine Einladung nach England, zu einem "Studienaufenthalt". 

Man schob mich und meine Kinder, 3 und 5 Jahre alt,  nachts über die Grenze bei Herleshausen ab. Wir mussten an der Autobahn aussteigen und in den Westen laufen, morgens gegen Zwei. Erst auf der andern Seite erfuhr ich, wo ich war, als mich ein Auto abholte, in dem Martin Braune saß, ein Angestellter der Bodelschwighschen Anstalten in Bielefeld. Braune  war von seinem Bruder, einem Pastor in der DDR, von meiner Abschiebung unterrichtet worden.

Man nahm an, ich würde als Mutter zweier Kinder mich an die westdeutschen Behörden wenden. das tat ich nicht. Ich blieb in den Bielefeld-Bethel bis ich eine Gelegenheit hatte, wirklich nach England zu gehen. Eine mir unbekannte Frau hatte mich in ihr Haus nach Cambridge eingeladen.

Durch mehrere glückliche Umstände, die in meinem Buch "Ich wollte frei sein" nachgelesen werden können, wurde ich vom Chef der Theologischen Fakultät, Professor Sykes, empfangen. Ich war vor Ehrfurcht erstarrt, als ich im renommierten St.Johns College sein Studierzimmer betrat. Gleich neben der Tür war mir ein Bild des deutschen Philosophen Friedrich Schleiermacher aufgefallen. Das gab mir die Gelegenheit zu der Frage, was denn einen englischen Theologen an Schleiermacher interessiere.

Es stellte sich heraus, das Sykes ein Verehrer von Schleiermacher war. Dank meines Oberseminars Ethik bei Professor Irrlitz wußte ich nicht nur, wer Schleiermacher war, ich hatte etwas von seinen Schriften gelesen und mich intensiv mit seinem Leben in Berlin beschäftigt. Ich konnte Sykes tatsächlich noch Neues aus dieser Zeit berichten. 

Das Gespräch endete mit der Offerte, im kommenden Studienjahr sein Nominee zu sein. Ich konnte ein Studium der Philosophy of Religion aufnehmen, ohne durch die üblichen Aufnahmeprüfungen zu müssen. Allerdings müsste ich in der verbleibenden Zeit von Anfang März bis Oktober so viel Englisch lernen, dass ich ohne Abstriche ins Studium einsteigen könnte. Ich solle pausenlos mit allen möglichen Menschen sprechen, um die Sprechfertigkeiten zu bekommen und Jane Austen, Jane Austen, Jane Austen lesen. Das sei des reinste Schriftenglisch. 

Auf meiner anschließenden Tour quer durch England von vorübergehenden Aufenthalt zu vorübergehenden Aufenthalt, tat ich genau das.

Anfang Oktober war ich zurück in Cambridge. Meine erste Aufgabe war, ein Essay über die theologischen Ansichten von Sören Kierkegaard zu schreiben. Ich hatte zwei Wochen Zeit. Mit Kierkegaard hatte ich mich schon in der DDR befasst, ich bekam das Essay zustande. Eine Freundin korrigierte in der Nacht vor der Abgabe noch ein paar Rechtschreibfehler. Bis zum Morgen fertigte ich die Reinschrift an und merkte , dass ich bestanden hatte, als mir mein Tutor das nächste Thema gab: Friedrich Nietzsche und seine  Gott ist tot-Theorie.

Mit Nietzsche hatte ich mich auch schon befasst, ich nahm auch diese Hürde. Das dritte Thema war ein Schock: Ludwig Wittgensteins theologische Sprache. Unter normalen Umständen würde ich Wittgenstein nicht verstehen, wenn ich ihn in Deutsch lese. Nun musste ich in Englisch innerhalb von vierzehn Tagen einen unbekannten Philosophen kennenlernen und interpretieren. 

Am Abend vor der Abgabe hatte ich noch kein Wort geschrieben. Schließlich stand ich auf und ging auf den kleinen Friedhof unweit unseres Hauses, zu Wittgensteins Grab. Ich sank da tatsächlich auf die Knie und flehte Wittgenstein an, mir zu helfen. Ich kann nicht sagen, dass etwas geschehen wäre. Ich spürte keine Kraft oder so etwas vom Grab zu mir aufsteigen. Tatsache ist aber, ich erhob mich irgendwann, kehrte zum Schreibtisch zurück und war mit dem Schreiben fertig, als meine Söhne erwachten. 

Nachdem ich sie in die Schule gebracht hatte, trug ich das Papier zu meinem Tutor. Es war keine Zeit mehr gewesen, den Text noch einmal korrigieren zu lassen. Mein Tutor platzierte mich in einen bequemen Sessel neben seinem Kamin, wo ich sofort einschlief. Als er mich weckte, war es mit der guten Nachricht, dass ich bestanden hätte. Er wolle diesmal auf die Diskussion verzichten, denn  der Text sei sehr schlüssig gewesen.

Ich taumelte nach Hause zurück. Unterwegs machte ich an der Cam Halt, wo mich Professor Sykes fand, dem die Freude und Erleichterung, dass er sich mit seinem gewagten Nominee nicht getäuscht hatte, anzusehen war. Ich hatte mich aus eigener Kraft unter schwierigsten Umständen an einer der besten Universitäten der Welt durchgesetzt. Ich wußte, dass mich von nun an nichts mehr umhauen würde.

12. September 2016

 
   


Vera Lengsfeld

Vera Lengsfeld war von1990 – 2005 Mitglied des
Deutschen Bundestages