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Ich SELBST trage die VERANTWORTUNG für mein Leben.

 
 
 
 
 

Dr. Heiner Emrich, Vorsitzender im CV-Rat

Subsidiarität als Grundlage
einer menschlichen Gesellschaft

Eine zunehmend pluralistische Gesellschaft erfordert Standpunkte. Nur wer seinen eigenen Standpunkt geklärt hat, kann mit anderen in ein fruchtbares Gespräch treten. Ein demokratisches Staats- und Gesellschaftswesen ist dabei auf Voraussetzungen verwiesen, die es sich selbst nicht geben kann. Sie entstammen dem gemeinschaftlichen Willen der Staatsbürger und der geschichtlichen Entwicklung. Eine derartige Basis findet sich im christlichen Glauben und der christlichen Kultur unseres Landes. Sie berührt aber nicht nur jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft, sondern auch die Interaktion zwischen diesen Mitgliedern. Es muss daher Ziel der handelnden Politik sein, diese Grundlagen zu erhalten und zu fördern. Unsere Politiker stehen in der Verantwortung, eine verlässliche Basis für das gesellschaftliche Zusammenleben zu schaffen. 

Jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft ist dabei in gleicher Weise aufgerufen, seinen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. "Der Mensch ist Träger, Schöpfer und Ziel jeder gesellschaftlichen Einrichtung", hat Papst Johannes XXIII. gesagt. Dieses Grundprinzip der katholischen Soziallehre ist Bedingung jeder gerechten Wirtschaftsordnung. Aus diesem Personalitätsprinzip ergibt sich das Solidaritätsprinzip - und damit der Auftrag an jeden einzelnen, den anderen bei seiner Entfaltung innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung zu fördern. Zugleich folgt aus ihm auch das Subsidiaritätsprinzip und damit die Selbstbegrenzung jeder übergeordneten Instanz, den Einzelnen und kleinere Gruppen nur insoweit bei der Erfüllung ihrer Ziele und Aufgaben zu unterstützen und zu bestimmen, als diese selbst es nicht leisten können. Erst durch das Zusammenwirken dieser Prinzipien kann echtes Gemeinwohl entstehen - und dieses Zusammenwirken ist nur möglich, wenn jeder Einzelne sich und seine Stärken einbringt, anstatt sich auf das regulierende Element der Gemeinschaft zu verlassen.

Ein Beispiel für das Zusammenwirken der Prinzipien bietet der Cartellverband der kath. deutschen Studentenverbindungen (CV): Bei ihm zieht sich das Subsidiaritätsprinzip durch alle Generationen. Schon den jüngsten Mitgliedern, den sog. Füxen, wird Selbstständigkeit und Eigenverantwortung vermittelt - sowohl für die Organisation ihres Studiums, als auch für ihren Einsatz in der Verbindung. Gleichzeitig erfahren sie, dass sie sich in besonders schwierigen Situationen Hilfe holen können - diese Hilfe aber nicht blind ausnutzen oder sich auf die Gewissheit zurückziehen dürfen, dass andere die Aufgaben für sie erledigen.

Im Gegenteil: Die Gewissheit, dass jederzeit  eine weitere Instanz - seien es die anderen Mitglieder oder die Verbindung bzw. der Verband selbst - um Hilfe angerufen werden kann, ist Sicherheit und Ansporn zugleich: Jedes Mitglied des Cartellverbandes möchte seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und die Bundesbrüder davon überzeugen, auch aufwändigere Aufgaben ohne fremde Hilfe zu meistern. Gleichzeitig können alle sicher sein, dass ihnen Hilfe zuteil wird, wenn sie an ihre Grenzen stoßen - Grenzen, die sie vielleicht nicht einmal selbst erkennen. 

Der Cartellverband ist der festen Überzeugung, dass Eigenständigkeit, Engagement und Hilfe zur Selbsthilfe die Grundpfeiler einer funktionierenden Gesellschaft sowie eines gesunden staatlichen Systems sind. Dies hat er auch in seinen gesellschaftspolitischen Grundsätzen, der Charta 15, richtungweisend festgeschrieben. Deshalb unterstützen wir die Kampagne des Deutschen Arbeitgeber Verbandes zur Subsidiarität.

Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) ist mit fast 30 000 Mitgliedern, davon rund 4 000 Studenten, der größte katholische Akademiker-Verband in Europa. Aus seinen Reihen sind zahlreiche Verantwortungsträger in Politik, Kirche und Wirtschaft hervorgegangen.

07. Novemer 2016

   


Dr. Heiner Emrich

Dr. Heiner Emrich ist Rechtsanwalt und Vorsitzender des CV-Altherrenbundes und damit auch Vorsitzender im CV-Rat.