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Ich SELBST trage die VERANTWORTUNG für mein Leben.

 
 
 
 
 

Klaus-Peter Willsch, CDU Bundestagsabgeordneter

Hilfe bedeutet nicht Verzicht auf eigene Anstrengung

Januar 1980: nachdem ich im Dezember das Abitur geschafft hatte, blieb Zeit bis zum Sommersemesterbeginn im April. Bei einem Nachbarn, der als Maurer bei einem mittelständischen Bauunternehmer beschäftigt war, hatte ich nachgefragt, ob sie für ein paar Wochen einen Handlanger beschäftigen könnten. Von gelegentlichem Zusammenarbeiten auf Baustellen von Nachbarn wusste er, dass man mich gebrauchen konnte.

Der Chef verließ sich auf die Empfehlung, und so saß ich unversehens eines Montagmorgens um viertel nach fünf im Mannschafts-VW-Bus, der die Kollegen und mich auf dem Weg nach Mainz-Hechtsheim in verschiedenen Taunusdörfern einsammelte, um uns eine gute Stunde später am Einsatzort abzusetzen.

Wir waren Subunternehmer bei einem größeren Auftragnehmer und meine Aufgabe war es, für Treppen und Stürze die Bewehrungseisen zu schneiden und zu biegen. Körperliche Arbeit war ich vom elterlichen Bauernhof von Kindesbeinen an gewohnt. Natürlich war ich als "Neuer" auch Kaffeeholer, nahm also die Bestellungen auf, besorgte dann Bild-Zeitungen, gegrillten Schweinebauch, warmen Leberkäse oder heiße Fleischwurst - staunend, was man zum zweiten Frühstück so alles zu sich nehmen kann und womit das so mancher hinunterspült.

Die nachhaltigste Erinnerung ist aber das Gefühl, die damals noch bei Arbeitern verbreitete Lohntüte am Monatsende in Empfang zu nehmen: Dies war Lohn für Leistung, was sich unendlich viel besser anfühlte als das leistungslose Einkommen, das ich bis dahin in Form von BAföG oder Taschengeld bezogen hatte.

Und das erste mal hatte ich das Gefühl voller Selbstverantwortung: für die Verwendung dieses Geldes war ich nur mir selbst Rechenschaft schuldig, konnte es verwenden, wie ich wollte. Dies machte mir einerseits die theoretisch schon oft besprochene freiheitsstiftende Funktion privaten Eigentums erstmals persönlich unmittelbar erfahrbar. Und andererseits stärkte es die intuitiv schon zuvor vertretene Haltung, einen Jeden zunächst für sich selbst sorgen zu lassen, damit er seine Würde nicht verliert. Subsidiarität heißt: Aufforderung zur Eigenanstrengung, zur Regelung der eigenen Dinge, zur Übernahme von Verantwortung für die einem selbst zum Schutze und zur Fürsorge Befohlenen. Die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und zu vervollkommnen, ist die der menschlichen Person vom Schöpfer mitgegebene Verpflichtung. Danach kommt die Zusage der solidarischen Unterstützung, wenn die eigenen Kräfte überbeansprucht sind. Das Aufgehobensein in der Gemeinschaft - Familie, Gemeinde, Versichertengemeinschaft oder Staat - darf immer erst nachrangig kommen, dann aber mit Gewissheit. "Ultra posse nemo obligatur", dieser alte Grundsatz des römischen Rechts bedeutet eben keinen Verzicht auf eigene Anstrengung, sondern die Zusage der Hilfe für den Fall der Erschöpfung der eigenen Kräfte.

14. Novemer 2016

   


Klaus-Peter Willsch

Klaus-Peter Willsch ist CDU Bundestagsabgeordneter.