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Texte zur Freiheit

 
 
 
 
 

Parviz Amoghli

Schluss mit der Hitlerei!

Angesichts der ewigen Rückkehr des immer Gleichen, geht einem inzwischen die Galle über! Man kann es nicht mehr hören: Hitler hier, Hitler da, Hitler überall! Keine politische Diskussion, egal ob öffentlich oder privat, die nicht irgendwann in dem verminten Totschlagareal des Dritten Reiches endet, keine Meinungsäußerungen, ohne dass der böhmische Blutsäufer aus den Kulissen raunt. Es ist zum Kotzen!

Was soll das? Als hätte Deutschland kein anderes Problem als den "Führer" in all seinen Facetten. Wer sich damit beschäftigen möchte, bitte, der soll es tun, der soll nach Herzenslust lesen, schauen und hören. Es ist ja nicht so, als stünden nicht genügend Bücher, Texte, Facebookgruppen, Filme und Filmchen zur Verfügung. Also los, ab in die Bibliotheken oder ins Internet, niemand hält euch ab. Oder schaltet den Fernseher ein, irgendwo läuft immer irgendein Geschichtsporno. Konsumiert was ihr wollt, für jeden ist etwas dabei, entdeckt eure persönlichen, ganz eigenen "Wahrheiten" – was immer ihr wollt, nur, bitte, haltet den Nationalsozialismus aus der Tagespolitik heraus! Und das gilt für rechts wie für links.

Auf der rechten Seite scheinen Teile zu glauben, den Problemen der Jetztzeit mit Revisionismus Herr werden zu können. Als ob die schamlose Koketterie mit dem Holocaust oder die Behauptung, beim Überfall auf die Sowjetunion hätte es sich "in Wahrheit" um einen Präventivschlag gehandelt, irgendetwas an der momentanen Schieflage des Landes ändern würden. Aber, wird man jetzt erwidern, es geht doch um den "Schuldkult" und darum, sich davon "endlich" zu befreien. Dann wird alles wieder gut, zumindest besser. Ein Blick auf Schweden, immerhin ein Land ohne größere NS-Kontamination, zeigt zwar, dass eine Migrationspolitik keinen Hitlerkult braucht, um hirnrissig zu sein. Allerdings spielen beim großen Reinwaschen derlei Petitessen keine Rolle, da steht Höheres auf dem Spiel, die nationale Wiedergeburt, der aufrechte Gang oder so etwas in der Art, nicht selten garniert mit unappetitlich biologistischem Drall. Das alles zusammengenommen ergibt dann jene schaurige Demagogie aus ver- und untergegangenen Zeiten, hohl, dumpf, nach Erbseneintopf riechend, die einem jede Auseinandersetzung mit derlei Positionen erst recht verleidet. Soll das wirklich die Antwort sein auf die vielfältigen Probleme, mit denen Politik, Staat und Gesellschaft Zeitalter der Globalisierung konfrontiert sind und werden? Also, bitte!

Das Problem ist, dass diese Fraktion innerhalb derer, die sich politisch rechts der Mitte einordnen, fürchterlich laut ist. Ihre Mitglieder übertönen mit ihren Einlassungen regelmäßig jene, die mit Reinwaschungen oder Wiederauferstehungen aller Art nichts am Hut haben, und stattdessen aus dem Hier und Jetzt, basierend auf den soliden Fundamenten von Recht, Ordnung und Sicherheit argumentieren. Diese sehen sich wegen dümmlicher Hitlereien plötzlich in Auseinandersetzungen verstrickt und zu Bekenntnissen gezwungen, die unnötig wie ein Kropf den libertären, konservativen, christsozialen und anderen demokratischen Widerstand gegen die gefährlichen Verirrungen des Gewölks jedes Mal aufs Neue lähmen. Sind die Apologeten der nationalen Besinnung wirklich so verblendet, dass sie nicht sehen, was sie mit ihren Einlassungen anrichten? Dass nicht erkennen, dass sie das Geschäft derer erledigen, die sie zu attackieren vorgeben?

Womit wir bei der Linken sind. Sie verfügt ebenfalls über ihre führerfixierten Lautsprecher. Ob sie mehr oder weniger sind als auf der anderen Seite ist unwichtig. Wichtig ist nur, dass ein Gutteil von ihnen an den Schaltstellen der Berliner Republik sitzt, und damit über die notwendige staatliche und mediale Macht verfügt, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: den Anti-Hitler-Staat. So vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens eine neue braune Sau durchs Dorf getrieben wird. Und weil's so schön war, gleich noch eine und noch eine und noch eine…

Was würde ER dazu sagen?, scheint die erste und letzte Frage zu sein, die sich linke Hitleristen bei der Erarbeitung von Problemlösungsstrategien stellen. Das, was diese dann als Antwort auf ihre Teufelsbeschwörung erfühlen, bildet anschließend das Fundament auf dem ihre Kampagnen, Aktionen und Politiken aufbauen. Weiteres kümmert nicht. Und dann kann es schon mal passieren, dass der Holocaust durch die inflationäre Bezugnahme darauf relativiert wird. Oder der Staat Israel unter Aufrufung der übelsten antisemitischen Lügen – Brunnenvergifter, Kindermörder – zum faschistischen Übel, eine palästinensische Terrororganisation hingegen, deren einzige Kritik an Hitler die Nichtvollendung des Holocausts ist, zum Heils- und Friedensbringern erklärt wird. Letztere schießen zwar unablässig mit Raketen auf Zivilisten und schlachten gelegentlich auch mal die eine oder andere Siedlerfamilie ab. Aber was bleibt ihnen auch anderes übrig? Die Juden sind ja selbst schuld. Warum ziehen sie auch nicht jene Schlüsse aus dem Völkermord, die die linke Hitleristen Schickeria der Berliner Republik von ihnen verlangt? – Kurz gesagt: es ist ekelhaft…

Weniger ekelhaft, dafür aber umso gefährlicher für Frieden, Freiheit und Sicherheit in Deutschland ist der Umstand, dass die linke Hitlerei inzwischen zumindest ansatzweise totalitäre Züge angenommen hat. Was vor zehn, und erst recht vor zwanzig Jahren noch völlig unvorstellbar war, wie beispielsweise der Aufbau einer outgesourcten staatlichen Zensurstelle zur Abwehr bestimmter Meinungen, ist mittlerweile bedrohliche Realität geworden. Wobei sich die Maßnahmen vor allem gegen rechte "Hater" richten, zu denen zunehmend all jene zählen, die mit der Politik der linken Hitleristen nicht einverstanden sind. Islamistische, antisemitische oder linke Hasspostings, Gewalt- und Mordaufrufe sind davon nicht betroffen, sie sind vielmehr Ausdruck gelebter Meinungsfreiheit und Zivilcourage.

Und was ist mit der Mitte, also jener politischen Kraft, die eigentlich derlei unausgegorenen Flachsinnigkeiten von links und rechts Einhalt gebieten und für Stabilität und Kontinuität sorgen sollte? Wenn es sie noch gibt, dann sitzt sie wie das Kaninchen vor der Schlange, beherrscht von der Angst sich im Bärtchen des Bösen zu verstricken. Herauskommt dann eine Ich-bin-ja-kein-Nazi,-aber…-Rhetorik, die jeden weiteren Austausch überflüssig macht.

Es ist zum Haare raufen. Binnen einer Politiker Generation ist aus der Heimat der politischen Vernunft das Zuhause der Angsthasen geworden. Von hier aus ist keine Rettung aus der Hitlerei der Ränder zu erwarten. Und man kann es ihr noch nicht mal vorwerfen. Was soll sie auch dem "Führer" und seiner schaurig schön schillernden Dämonenbande entgegensetzen? Die öde Gegenwart mit all ihren unlösbaren Problemen? Gegen den Auftrag der Geschichte, egal ob er nun auf Reinwaschung oder Anti-Hitler-Staat lautet? Kein Wunder, dass sich auch die Mitte heute über ihr Verhältnis zum GröFaZ positioniert, je nachdem ob man mehr nach links oder rechts tendiert. Was ihr Versagen freilich nicht weniger erbärmlich macht.

Es ist wirklich bizarr. In einer Zeit, in der es mehr denn je gefragt wäre, sich auf die Möglichkeiten sowie Verwerfungen und Krisen des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts zu konzentrieren und ein neues, den veränderten Gegebenheiten angepasstes Denken zu entwickeln, in einer solchen Zeit, hält der "Führer", mehr als siebzig Jahre nach seinem Tod, das Land nach wie vor eisern im Griff. – Man kann gar nicht so viel fressen, wie man angesichts dessen kotzen möchte!

Hört auf damit!

Schluss mit der Hitlerei! Freiheit!

30. Januar 2017

   

Parviz Amoghli

Parviz Amoghli wurde 1971 in Teheran/Iran geboren und kam 1974 in die Bundesrepublik.

Er ist Preisträger beim Literaturwettbewerb "Schreiben zwischen den Kulturen", Veröffentlichungen in diversen Anthologien und Zeitschriften und gehört zum Autorenstamm von "TUMULT – Vierteljahreszeitschrift für Konsensstörung". Derzeit arbeitet er an der Realisierung des Filmprojekts "Der Graben", zu dem er das Drehbuch mitverfasst hat