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Faktencheck

Fukushima, Kernkraft und Wissenswertes zum Thema "Strahlung"

Zum Jahrestag des Unglücks von Fukushima hat der  "Fachverband Strahlenschutz" ein Schwerpunktheft seiner Fachzeitschrift StrahlenschutzPRAXIS (SSP), der Tsunami-Katastrophe gewidmet. Der "Fachverband Strahlenschutz" ist mit seinen mehr als 2.000 Mitgliedern eine ausgesprochen seriös agierende Interessenvereinigung.

Gerade mit "unsichtbaren Gefahren" wie Radioaktivität – dazu gehören aber auch Themen wie Handystrahlung, Gentechnik oder die glücklicherweise aus der Mode gekommene Panik in Bezug auf Mikrowellen – lassen sich Menschen schnell in auch durch Fakten nicht mehr auflösbare Angstzustände versetzen.

Dessen ungeachtet lohnt es sich, vorurteilsfrei und mit wissenschaftlichem Blick auf die Tatsachen zu schauen.

Frage: Wie viele Menschenleben hat der Reaktorunfall gekostet?

Fukushima war keine radiologische Katastrophe, aber eine viel größere soziale Katastrophe. Durch die Strahlung gab es keine Toten und es wurde auch niemand in seiner Gesundheit durch Strahlung geschädigt. Es gab jedoch auf andere Weise Opfer durch den Reaktor-Unfall. Bei der angeordneten Evakuierung von etwa 130 000 Menschen wurden auch Krankenhäuser und Pflegeheime geräumt, wobei mehr als 50 Intensiv-Patienten während der Evakuierung oder gleich danach gestorben sind, weil deren Versorgung unterbrochen worden ist.

Unter den jahrelang evakuierten Menschen gab es verschlechterte Lebensbedingungen und massenhaft Probleme: psychischer Stress, Angst vor Strahlung, Entwurzelung, Flucht in Alkohol mit Folgen für die Gesundheit, Suizide. In der SSP werden keine Opferzahlen dazu genannt,

Bei einer Dosis von 100 bis 200mSv pro Jahr wurde noch nie eine schädliche Wirkung von Strahlung nachgewiesen (UNSCEAR, United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation). Die ICRP (International Commission on Radiological Protection) empfiehlt die Evakuierung bei der möglichen Dosis von 100mSv im Jahr, so sagt es auch das Gesetz in Deutschland. Die Gesetze in Japan verlangen Evakuierung schon bei 20mSv in Jahr.

Die Gesetze in Japan verlangen demnach eine Evakuierung schon  bei einer Dosis, die als gefahrlos einzustufen ist.

Frage: Was geschieht mit dem "verstrahlten" Land in der Umgebung von Fukushima?

Es wird der Boden abgetragen und in Säcke eingefüllt.

Aus dem mittleren Gehalt der Erdkruste an Kalium-40, Uran und Thorium lässt sich errechnen, daß in den oberen 10cm Boden einer Fläche von einem Quadratmeter im Mittel eine Radioaktivität von 400 000 Becquerel enthalten ist. Diese Radioaktivität hat eine Dosis von einigen Zehntel Milli-Sievert für die dort lebenden Menschen zur Folge.

Es gibt an vielen Stellen der Erde erhöhten Uran- und Thorium-Gehalt im Boden, dort kann die Radioaktivität des Bodens um den Faktor 100 bis 1000 höher sein als das genannte Mittel. Dann ist auch die den Menschen treffende Bodenstrahlung entsprechend erhöht, sie kann über 200mSv im Jahr erreichen. Auch in Deutschland gibt es in freier Natur eng begrenzte Stellen mit 50mSv in ein Meter Höhe – auch dort leben Pflanzen, Käfer, Regenwürmer, eben die ganz normale Natur. Menschen können diese Stellen betreten, eine Gefahr besteht dort nicht, auch wenn sie sich dort ganzjährig aufhalten würden.

Eine Oberflächenkontamination des Erdbodens von 1 Million Becquerel Cäsium-137 hat für einen Menschen an dieser Stelle eine Ortsdosisleistung von 2 Mikro-Sievert pro Stunde zur Folge. Die Dosisleistung von 6 Mikro-Sievert pro Stunde, der man auf unseren Breiten im Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist, wird bei einer Oberflächenkontamination des Erdbodens von 3 Million Becquerel Cäsium-137 erreicht.

Die Frage muss erlaubt sein: was für dem Fluggast als unbedenklich eingestuft ist, soll in der Kerntechnik als kritisch bewertet werden und verboten sein?

Es sei zudem daran erinnert: Cäsium ist ein Alkalimetall und ist daher wie Natrium und Kalium sehr gut in Wasser löslich – es verschwindet schon durch Regenwasser im Boden oder wird fortgeschwemmt.

Frage: Verstrahlte Lebensmittel – wie gefährlich sind sie?

Es galt zu Beginn des Unfalles die Grenze von 500Becquerel/kg, basierend auf der zusätzlichen Dosis von 5mSv/a. In 2012 wurde sie auf 100Becquerel/kg herab gesetzt, entsprechend 1mSv/a. Es gibt niedrigere Grenzen für Blattgemüse und Milch für Kinder.

Beispiel 1: Der Mensch ist durch seine körpereigene Radioaktivität eine bewegliche Quelle von Strahlung, er bestrahlt sich selber, und er bestrahlt (oder "verstrahlt") seine Mitmenschen und seine Umwelt. Die Radioaktivität des Menschen ist in erster Linie abhängig vom Gewicht:

---- eine Frau mit 52kg ist eine Strahlenquelle von 6000 Becquerel.
---- Wladimir Klitschko (110kg) ist eine Strahlenquelle von 12000 Becquerel
---- Minister P. Altmaier (geschätzte 140kg) ist eine Strahlenquelle von 15000 Becquerel

Peter Altmaier bestrahlt sich selber und seine Umwelt mit der zweieinhalb-fachen Aktivität einer Durchschnittsfrau. Wenn diese Frau nun mit der Nahrung zusätzlich 100Bq verzehren würde – was verboten ist – wäre sie für wenige Tage eine Strahlenquelle von 6100 Becquerel. Und läge damit noch weit unter Peter Altmaier.

Beispiel 2: Das Wasser der Wettinquelle im Heilbad Bad Brambach enthält 25 000 Becquerel pro Liter. Es wird den Kurpatienten ausdrücklich empfohlen. Aber diese Radioaktivität des Wassers ist alpha-Aktivität, deren biologische Wirksamkeit ist 20-mal höher als die gamma-Aktivität des Cäsium-137, um die es in Japan geht. Ein Liter der Wettinquelle hat die biologische Wirksamkeit von 500 000 Becquerel des verbotenen Cäsiums.

Beispiel 3: In der Nuklearmedizin werden dem Patienten für ein Szintigramm zur Lokalisierung eines Tumors 500 Millionen Becquerel direkt ins Blut gespritzt, es können aber auch 50% mehr sein. Das ist gamma-Aktivität, der Patient ist vorüber gehend eine Strahlenquelle von 500 Millionen Bq, seine körpereigene Aktivität wird 50 000-fach überstrahlt, dennoch ist das unschädlich.

Alle Nahrungsmittel enthalten im übrigen Radioaktivität – ein Mensch verspeist an einem Tag ungefähr 150 Bq mit seiner Nahrung. In Gegenden mit erhöhter Radioaktivität auch mehr. Tag für Tag, sein Leben lang.

Frage: Ist die Freisetzung von radioaktiven Stoffen ins Meer gefährlich?

Die teilweise geschmolzenen Kerne der Reaktoren in Fukushima müssen noch gekühlt werden, denn viele Brennelemente sind geschmolzen und die Containments sind zerstört. Es gelangen daher radioaktive Stoffe ins Kühlwasser und dann auch nach draußen ins Grundwasser und ins Meer. Mit gigantischem Aufwand wird das Kühlwasser in einer riesigen Anzahl von Behältern gelagert, es wird von Radioaktivität befreit. Der Meeresboden vor dem Kraftwerk wurde mit Beton versiegelt. Das Einsickern von Grundwasser mit radioaktiven Stoffen ins Meer soll durch Barrieren aus gefrorenem Boden verhindert werden.

Dazu ist anzumerken: Die ganze Welt ist radioaktiv, der Erdboden im Mittel mit 2000Bq/kg, oft aber sehr viel mehr: Granit 5000Bq/kg, Kalidünger 15 000Bq/kg, Uranerz 500 000Bq/kg, Pechblende 150 000 000Bq/kg. Da die Radioaktivität enthaltenden Mineralien meist schwer löslich sind, ist im Wasser weniger enthalten: in den Weltmeeren 12Bq/kg. Alles Kühlwasser aus den Reaktoren gelangt letztendlich in die Weltmeere und verteilt sich und wird verdünnt. Die Weltmeere enthalten etwa 10 hoch 22 Bq Kalium-40. Wenn alle freigesetzte Cs-137-Aktivität in den Weltmeeren verteilt werden würde, dann würde deren Radioaktivität um 0,0001% steigen.

(Die Zusammenstellung folgt einem Beitrag von Lutz Niemann: Bürger für Technik)

17. August 2015